Dass Papageien dazu neigen, sich gerade “schlechte Wörter” besonders schnell anzueignen ist ja allgemein bekannt und wird auch gern zum Gegenstand von allerlei Witzen gemacht. Wir waren daher von Anfang an darauf bedacht, in Gegenwart unserer Papageien möglichst keine Wörter zu verwenden, die uns peinlich wären, wenn der Vogel sie im Beisein von Besuchern zum Besten gibt.
Nun ja, ganz ist uns das nicht gelungen. Aber zumindest sind wir wohl auf einen minderschweren Fall beschränkt. Insofern stimmt auch die Überschrift nicht ganz; Nicki hat nur ein einizges Schimpfwort drauf. Bei zwei Papageien, die ihre zum Teil recht großen Hinterlassenschaften auch mal dort fallen lassen, wo der Mensch sie nun wirklich nicht haben möchte, fällt wohl schonmal ein bestimmtes Wort. Uns war das gar nicht so bewusst, aber irgendwann sah Nicki mich fest an und sagte laut und deutlich “Schwein!”
Nicki verwendet ihr einziges Schimpfwort recht selten und wir nehmen es mit Humor. Heute hat sie mich damit tatsächlich richtig zum lachen gebracht. Ich möchte hier wirklich nicht von bewusster Wortwahl im Sinne der menschlichen Sprache reden, aber der Zusammenhang hat perfekt gepasst:
Ich hatte die Papageien zum Freiflug im Wohnzimmer und das Baby lag auf der Spieldecke. Nicki saß auf einer Stuhllehne am Esstisch und beobachtete, was wir beiden da unten so trieben. Dann entfuhr dem Baby ein verspätetes Bäuerchen in einer derartigen Lautstärke, dass man getrost von einem Rülpser sprechen konnte. Nickis Kommentar folgte auf der Stelle: “Schwein!”
Etwas später ist Nicki dann übrigens zu uns auf den Fußboden geflogen. Sie ist ja sonst kein Bodenbewohner, aber zu meiner Schwangerschaftsgymnastik ist sie auch schon immer zu mir auf den Boden gekommen und hat meine seltsamen Bewegungen wohl als Aufforderung zum spielen interpretiert. So kam sie also zu uns nach unten und beäugte zunächst sehr interessiert, aber vorsichtshalber noch mit gaaanz langem Hals das Babytrapez. Schön bunt und aus Holz war das eigentlich ganz nach ihrem Geschmack, wirkte aber wohl vorerst noch etwas gefährlich. Also wendete sie sich lieber etwas zu, was sie schon kennt - meinen Füßen.
Ich finde es ja einerseit sehr schön, dass Nicki so aufgeschlossen mit unserer neuen Bewohnerin und dem neuen Inventar umgeht. Andererseits war mir das auch wieder ein deutliches Signal, dass ich auf gar keinen Fall Baby und Papageien unbeaufsichtigt zusammen lassen darf.
Zunächst einmal ein großes Lob an Nicki und Eddie: Im Sommerhalbjahr, wenn es abends lange hell ist, war es ja sonst immer sehr schwierig bis unmöglich, die beiden abends in ihr Bauer zu bringen. Das hat irgendwie nicht in ihren Biorhythmus gepasst. In diesem Jahr war das anders. Bis auf verzeihliche Ausnahmen sind die beiden ganz brav jeden Abend zum essen in ihr Bauer marschiert. Wir hatten da ein richtig schönes Ritual:
Beide bekamen Ausgang, während ich das Abendessen für die Papageien zubereitete. Meistens waren sie dann mit dabei in der Küche. War alles vorbereitet, kam Nicki auf meine Hand, und zwar auf die, mit der ich den Körnernapf gegriffen habe. Eddie wurde verbal zum mitkommen animiert. So verfrachtete ich den Minischwarm zurück in sein Zimmer. Manchmal ließ sich Nicki direkt mitsamt den Körnernäpfen ins Bauer verfrachten; meist machte sie einen Zwischenstopp auf dem Dach und kletterte dann selbst hinein. Ich habe ihr dabei immer etwas zugeredet, dass sie ein cleverer Vogel sein soll und sich die Pole Position am Napf sichern soll. Oft war Nicki dann schneller am Napf, als ich die Belohnungsmandel hineinlegen konnte. Die Belohnungsmandeln werden den Papageien gezeigt und dann für sie gut sichtbar in den Napf im Bauer gelegt. Wie gesagt, in diesem Sommer konnte ich die Mandeln oft nur noch nachreichen.
War Nicki erstmal am futtern, marschierte Eddie oft von selbst hinterher. In der Regel habe ich ihm gut und nachdrücklich zugeredet, was auch sehr gut funktioniert hat. (”Eddie, reingehen! Geh mal rein! Marsch, marsch! Schau mal, Nicki futtert Dir alles weg! Reingehen!!!”) Wichtig für Eddie ist nur, dass Nicki vor ihm reingeht. Zumindest abends setzt er keinen Fuß ins Bauer, wenn Nicki nicht schon drin ist. Selbst wenn er erkennbar gern reingehen würde.
Wie gesagt, es lief den Sommer über mustergültig. Selbst als unser Baby nach Hause kam und zunächst jegliche Art von geregelten Abläufen völlig durcheinander brachte, gingen die beiden Papageien meist noch früher oder später ins Bauer. Damit ist es nun vorerst vorbei. Gut, die Vögel sind nicht schuld, sondern wir Menschen. Wir haben einen offensichtlich ganz wichtigen Bestandteil des Abendrituals abgeschafft: Zu unserer großen Freude schläft unsere Tochter seit ein paar Woche ohne Probleme abends zwischen 19:00 und 20:00 ein. Sie ist dann noch nicht im Tiefschlaf, aber friedlich am wegdösen. Das ist nun aber auch genau die Zeit, zu der die Papageien ihren Abenausflug gewohnt waren. Es würde ja so schön passen - ich konnte wieder zur üblichen Zeit das Papageienabendessen zubereiten. Dummerweise war eines Abends Nicki mit bei mir in der Küche und Eddie mutterseelenallein im Wohnzimmer (das schlafende Baby zählt für ihn eindeutig nicht). Also hatte er nichts besseres zu tun, als seinen megaschrillen Papageien-Alarmruf loszulassen. Mit normalen Papageienrufen und Pfiffen hat unser Baby gar kein Problem. Das dürfte sie schon während der Schwangerschaft zur genüge gehört haben. Aber Eddies Alarmpfiff geht wirklich durch und durch. Folglich wurde das gerade erst eingenickte Baby unsanft geweckt und fing jämmerlich an zu schreien. Sie war dann auch ziemlich lange nicht mehr zu beruhigen.
Dieses Chaos aus lärmendem Baby und lärmenden Papageien war uns eindeutig zu viel. Wir hatten keine Lust auf eine Wiederholung und so dürfen die Papageien vorerst nicht mehr zur gewohnten Stunde aus ihrem Zimmer. Das wird nicht ewig so bleiben. Spätestens wenn unser Baby nicht mehr im Stubenwagen schläft, der um diese Zeit noch im Wohnzimmer steht, bekommen die Vögel ihren gewohnten Ausgang zurück. Vorerst müssen sie da aber verzichten. Sie dürfen ja auch Tagsüber raus.
Dummerweise fehlt damit wohl die Startsequenz des abendlichen Reingeh-Rituals und nun ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass die Papageien mal in ihrem Bauer übernachten. In letzter Zeit gehen sie abends nicht mal mehr zum fressen ins Bauer. Lieber schlafen sie hungrig ein. Schade.
Die Sache hat nur einen einzigen kleinen Vorteil: Je nach Babys Tagesform beginnt unser Tag morgens mal früher und mal später. So bekommen auch die Papageien zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihr Frühstück. Ich achte zwar peinlichst darauf, dass morgens nach dem Baby immer als erstes die Papageien versorgt werden. Ich komme dann als allerletzte dran. Nur das ganze findet jetzt eben mal früher und mal später statt. Immerhin muss ich nun kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Papageien mal wieder recht spät ihr Frühstück bekommen. Sie haben ja noch das ganze nicht angerüherte Abendessen vom Vortag. Selbst wenn das Obst nicht mehr ganz frisch ist, Körner sind reichlich da und es muss niemand hungern.
Das Papageienblog hat - wie unschwer zu erkennen - einige Zeit pausiert. Der Grund ist, dass wir im August mit einer kleinen Tochter Familienzuwachs bekommen haben. Da blieb schon für die Papageien selbst weniger Zeit und erst Recht für das Blog.
Dennoch sind unsere Papageien bislang mit der neuen Situation recht gut klar gekommen. Richtig übel genommen haben sie eigenltich nur die eine Woche, die ich im Krankenhaus war. Mein Mann war natürlich die meiste Zeit bei mir im Krankenhaus und die Papageien mussten sich nicht nur mit nur der Hälfte ihrer Menschen begnügen, sondern auch noch mit sehr unregelmäßigen Tagesabläufen. Das wurde - moderat - mit Hungerstreik und Federrupfen quittiert.
Seit wir alle zu Hause sind, sind auch die Papageien wieder einigermaßen zufrieden. Die Fütterungszeiten sind zwar nicht mehr ganz so regelmäßig wie zuvor und etwas weniger Zeit haben die Menschen auch, aber zumindest ist wieder der gesamte menschliche Schwarm da. Und wenn wir arbeiten gehen, sind sie ja auch den ganzen Tag allein in ihrem Zimmer.
Was auffiel war, dass besonders Nicki ausgesprochen anhänglich war, als ich wieder nach Hause kam. Sie wollte am liebsten die ganze Zeit auf der Schulter sitzen und gekrault werden. Überhaupt haben alle beide ganz stark auf “lieber Vogel” gemacht und sich von ihrer Schokoladenseite gezeigt. So als wollten sie sicherstellen, dass wir sie auch noch mögen.
Von Aggressionen gegenüber dem Baby ist zum Glück auchnichts zu merken. Über die Gründe lässt sich mal wieder trefflich spekulieren. Vermutlich habe die Papageien einfach nicht das Baby selbst als Ursache der Veränderungen ausgemacht. Außerdem befindet sich das Baby schlicht höhenmäßig etwas untr dem Wahrnehmungsradar der Papageien. So kommen die Vögel bisher recht gut mit unserem Familienzuwachs zurecht.
Flugpension Opelblick - auch in diesem Jahr wieder beliebt
0 Comments Published by Dagmar July 14th, 2008 in Andere VögelUnsere Wohnung ist ja nicht nur bei unserem heimischen Papageienschwarm sehr beliebt, auch die große Dachterasse in luftiger Höhe erfreut sich allgemeiner Beliebtheit bei diverse fliegenden Nachbarn, so dass wir das Haus schon zur “Flugpension Opelblick” erklärt haben. Die Lage ist für die gefiederten Gäste mit vielen Vorteilen verbunden:
- durch die Höhe absolut katzensicher
- vogelfreundliche menschliche Herbergseltern
- Sport- und Klettermöglichkeiten auf der Antenne (leider direkt neben unserm Küchen-Dachfenster, auf welchem dann immer die Hinterlassenschaften der Pensionsgäste landen)
- bei Interesse auch mit Halbpension
- die Sitzgelegenheitn in Westlage bieten den besagten Opelblick
- die Sitzgelegenheiten in Ostlage sind auch nicht ohne - bei klarem Wetter sieht man die Frankfurter Skyline
Hier stelle ich mal ein paar Gäste näher vor, einschließlich dem ganz aktuellen Gast: Continue reading ‘Flugpension Opelblick - auch in diesem Jahr wieder beliebt’
Ich habe ja immer gedacht unsere Vögel sind - höflich ausgedrückt - etwas seltsam, so wie sie Kirschen essen. Zuerst war es nur Eddie, dann hat Nicki sich das abgeguckt: Aus einer Süßkirsche wird vorzugsweise zuerst der Kern herausgepult. Auf dem wird dann mehr oder weniger hingebungsvoll herumgekaut und letztlich wird er geknackt, um dann das Innere zu fressen. Manchmal wird auch auf dem süßen Fruchtfleisch herumgekaut; machmal finde ich aber auch die kernlosen Kirschen auf dem Boden. Welch eine Verschwendung! Ich habe schon überlegt, die Kirschen selbst zu essen und den Geiern nur die Kerne zu geben. Da sich aber Kerne ohne Kirsche so schlecht aufspießen lassen, und ich die frischen feuchten Kerne nicht zwischen die Körner mischen möchte, habe ich bislang davon abgesehen.
In der aktuellen “Papageien” (Heft 7/2008) erschien nun ein Artikel über Kirschen als Papageiennahrung. Der brachte unseren beiden Vöglen die Ehrenrettung - sie sind gar nicht so seltsam, sondern völlig normal und ziemlich clever. In dem Artikel wird argumentiert, dass Vögel ja immer die energiereichste Nahrung anstreben. Bei der Kirsche ist nunmal der Kern energiereicher als das Fruchtfleisch. Deshalb werden alle Vögel, deren Schnabel kräftig genug zum Kerne knacken ist, das Kerninnere bevorzugen. Nur die “Schwächlinge” - sprich: kleinere Arten - müssen sich mit dem zwar süßen aber nicht so energiereichen Fruchtfleisch begnügen.
Wenn ich jetzt noch unterstelle, dass bei den meisten Obst- und Gemüsesorten die Kerne energiereicher als das Fleisch sind, erklärt das auch, warum unsere Vögel bei so ziemlich allem die Kerne bevorzugen. Besonders offensichtlich ist das immer bei Melonen. Die Kerne werden in jedem Fall zuerst gefressen, manchmal auch ausschließlich die Kerne.
Vielleicht ist das sogar der Grund, warum die beiden seit einiger Zeit kein Interesse mehr an Weintrauben haben: die sind zwar schön süß, aber im Handel gibt es praktisch nur noch kernlose Sorten.
Nicki war unlängst mal wieder nach einem abendlichen Bad im Spülbecken. Ich hatte schon damit gerechnet, denn es war ja ziemlich warm und Nicki hatte auch längere Zeit nicht gebadet.
Allerdings kann Nicki in letzter Zeit keine ungetrübten Badefreuden mehr genießen, wenn Eddie mit in der Küche ist. Eddie möchte ja auch gern baden, besonders mit Nicki zusammen. Er weiß nur noch nicht wie er es anstellen soll, mit in das Spülbecken zu hüpfen. Für solche neuen Abläufe braucht er ja immer einen gewissen Vorlauf. Das hinderte Eddie aber nicht daran, ganz aufgeregt auf der Arbeitsplatte immer um das Becken herum zu laufen, dabei Trockenbadeübungen zu machen, und Nicki damit gehörig zu irritieren.
ddie war praktisch ständig in ihrer Nähe und wollte Kontakt. Nicki wollte baden - allein. Normalerweise ist so ein Bad bei Nicki eine längere Angelegenheit. Durch viele Pausen - die meisten davon auf meiner Schulter - kann sich das schon mal 20 Minuten hinziehen. Nicki klettert dann ganz oft vorn rechts aus dem Becken, nur um außen herumzulaufen und hinten links wieder hinenzuspringen. Keine Ahnung, was das bedeuten soll. Diesmal ging das richtig schnell. Immer wenn Nicki einmal im Spülbecken saß und Eddie ging ihr nicht all zu sehr auf den Geist, dann blieb sie auch drin und gab sich alle Mühe, möglichst schnell nass zu werden. War sie gerade draußen, und Eddie flog zufällig mal auf die Lampe oder den Hängeschrank, dann sondierte sie ganz schnell die Lage (Oh, der Typ ist weg, jetzt aber schnell die Gelegenheit nutzen!) und rannte regelrecht zurück in ihr Spülbecken.
Insgesamt war Nicki das baden auf die Art wohl doch zu stressig. Sie gab relativ schnell wieder auf. Wenigstens war sie mal wieder einigermaßen nass geworden.
Ich bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Es wäre schon toll, wenn Eddie endlich auch baden würde. Die Blumenspritze hasst er, in Badegefäße irgendwelcher Art geht er nicht - also wird er nur mal nass, wenn wir ihn zwangsweise absprühen. Das ist eigentlich zu wenig, aber wir wollen ihm auch nicht zu oft den Stress antung.
Laut Eddies Züchter war das mit dem Baden übrigens immer ganz einfach: “Sie müssen die mal bei Regen sehen. Dann hängen alle am Dach der Außenvoliere und genießen das Bad.” Das hilft mir nun gar nichts, da wir den Vögeln nicht auch noch eine Außenvoliere bieten können.
Der Sommer hat nun in Deutschland Einzug gehalten und dies geht auch an unseren Papageien nicht unbemerkt vorbei. Allerdings gibt es da Vor- und Nachteile.
Beginnen wir mal mit den Vorteilen:
Für Papageien als”Lichtwesen” sind lange helle Tage natürlich viel schöner, als kurze Wintertage, an denen es manchmal gar nicht richtig hell werden will. Die Vögel sind aktiver und nicht schon fast am einschlafen, wenn wir abends von der Arbeit kommen.
Schön ist auch, dass ich jetzt ganztägig das Dachfenster offen lassen kann (natürlich mit Gitter davor). So bekommen die Vögel ausreichend Frischluft. Dass dafür die Luftfeuchtigkeit im Papageienzimmer absinkt, weil ich den Luftbefeuchter nicht betreiben kann, nehme ich dafür in Kauf. Gut, betreiben könnte ich ihn natürlich. Aber das käme dem aussichtslosen Versuch gleich, das ganze Rhein-Main-Gebiet zu befeuchten.
Im Sommerhalbjahr ist auch die Auswahl an Obst und Gemüse größer und vor allem auch frischer. Unsere beiden Grauen haben jedenfalls inzwischen ihre alljährliche Frühjahrs-Obst-Gemüse-Mäkelphase hinter sich gelassen und machen sich wieder begeistert über ihre Frischkost her. Ich habe extra für Eddie schon die ersten Süßkirschen gekauft. Er hat sich auch wahnsinnig gefreut und gleich drauf gestürzt. Zielsicher hat er sich wieder die Kerne herausgeholt um sie dann ewig lange genüsslich abzulutschen und schließlich aufzuknacken. Das komische Fruchtfleisch drumherum war doch wohl nur die Verpackung und nicht zum fressen gedacht, oder?!
Kommen wir zu den Nachteilen:
Die ganzen schönen Vorteile mit mehr Licht und mehr Lebensfreude gelten natürlich nur, so lange es nicht zu heiß wird. Unser Dachzimmer heizt sich leider sehr schnell auf und die Grauen hatten heute schon 30 Grad. Da muss ich dann die Helligkeit aussperren, um durch die Rollos wenigstens die größte Hitzeeinwirkung zu verhindern. Trotzdem sitzen die beiden nur noch träge, beinahe mit den sprichwörtlichen hängenden Zungen, herum und vermeiden jede unnötige Bewegung.
Wenn mann dann morgens und abends alle Fenster aufreißt, um wenigstens etwas kühle Luft in die Wohnung zu lassen, muss man höllisch aufpassen, dass nicht doch mal ein Papagei in ein Zimmer mit direkter Freiflugbahn gerät. OK, das ist eigentlich kein Nachteil. Man muss nur noch aufmerksamer sein als ohnehin schon.
Auch die lange Helligkeit ist nicht uneingeschränkt toll. Jeden Abend zur Fütterungszeit wünsche ich mir eine halbe Stunde Dunkelheit herbei. Den Grauen sagt ihr innerer Lichtsensor natürlich, dass noch Tag ist und somit ganz sicher noch keine Zeit, um zum Abendessen ins Bauer zu gehen. Folglich funktioniert unser schönes Abendritual nicht mehr richtig und die Vögel nicht mehr täglich in ihr Bauer. Was immer da in den kleinen Köpfen vor sich geht, wenn der Standardablauf einmal gestört ist, gehen sie trotz Hunger und Durst einfach nicht ins Bauer. Dafür sitzen sie dann ziemlich unglücklich auf ihren Ästen und übernachten mal wieder draußen. Dadurch kann ich zum lüften weiterhin nur das vergitterte Fenster nutzen und nicht auch das zweite Dachfenster. Auch an einen kontrollierten Durchzug (bei dem die Vögel natürlich nicht im Zug sitzen) ist nicht zu denken.
Ja und dann finden die beiden Grauen noch etwas nicht toll, womit wir Menschen eher nicht so große Probleme haben. Natürlich nutzen wir bei schönem Wetter für möglichst viele Mahlzeiten unsere Terasse. Das heißt aber, dass für die Vögel das gemeinsame Sonnabend-Frühstück und die gemeinsame Kaffee-Runde am Sonntag entfällt. Das ist schon wirklich gemein!
Es wird morgens wieder früher hell und entsprechend sind auch die Papageien immer früher munter. Momentan erlebe ich die gesame Aufwachensphase der Vögel, während ich meinen üblichen Morgenabläufen nachgehe. Und die ist sehr interessant:
- Schritt 1: Ich hole schonmal die Näpfe und Spieße aus dem Bauer - Es ist noch recht dunkel und die Papageien werden ganz langsam wach. Ich bekomme nur die üblichen halb verpennten Reaktionen.
- Schritt 2: Ich bin in Dusche und Bad zu Gange - Es wird heller und die Vögel werden wach. Da sie aus der Wohnung Geräusche hören, lohnt es sich, schonmal mit den menschlichen Schwarmmitgliedern in Rufkontakt zu treten. Ich antworte mit ein paar Piffen, die auch promt wieder beantwortet werden. Auf dem Rückweg vom Bad in die Küche schaue ich nochmal kurz ins Papageienzimmer und werde sehr fröhlich begrüßt.
- Schritt 3: Ich habe inzwischen das Futter fertig vorbereitet und bringe alles zurück ins Papageienbauer. Die Vögel sind wach. Die weitere Reaktion hängt aber auch von der Witterung - sprich: von der Helligkeit - ab. Ist es ein klarer heller Tag nutzen die beiden die erste Gelegenheit, um schonmal aus dem Bauer zu klettern. Ist es er trüb und dadurch noch etwas dunkler sind sie wohl doch noch nicht so munter und bleiben noch im Bauer sitzen. Es hat ja auch etwas, wenn man den frisch bestückten Obstspieß direkt vor den Schnabel gehängt bekommt.
- Schritt 4: Ich habe nun auch gefrühstückt, schminke mich und ziehe mich an. Die Vögel haben vermutlich auch den ersten Imbiss genommen und sind voller Tatendrang. Aus dem Vogelzimmer hört man jetzt viel Geflatter und wieder ausgiebig laute Schwarmkommunikation. Zu den üblichen Pfiffen gesellt sich jetzt auch ein freundliches “Guten Morgen!” in allen Variationen. Würde ich jetzt die Tür aufmachen, könnte ich zusehen, wie ich die beiden Energiebündel wieder aus dem Wohnzimmer zurück in ihr Reich bekomme.
Es geht also morgens etwas lauter zu bei uns. Allerdings finde ich das ganz gut, denn es handelt sich um ein vollkommen natürliches und normales Papageienverhalten. In der Natur nimmt der gesamte Schwarm morgens als erstes auch sehr laut und ausgiebig Rufkontakt miteinander auf. Man muss schließlich feststellen, ob der Schwarm noch beisammen ist und ob alle die Nacht gut überstanden haben. Würde ein Papagei in der Natur auf seine morgendlichen Kontaktrufe keine Antwort erhalten, dann hätte er ein Problem, weil ihm über Nacht sein Schwarm abhanden gekommen ist. Genau aus diesem Grund antworte ich den Vögeln auch. Sie wollen schließlich sicher sein, dass ihre menschlichen Schwarmmitglieder noch da sind. Insofern passe ich mich dem Papageienverhalten an. Jeglicher Versuch, die morgendliche Geräuschkulisse zu unterbinden wäre wohl zum scheitern verurteilt, weil die Vögel überhaupt nicht verstehen können, was man da gerade von ihnen verlangt.
Wir haben uns eine Woche Urlaub vom Alltag und von den Papageien gegönnt. So sehr ich sie mag - es ist auch mal schön wenn man eine Woche lang keine Obstspieße basteln und vollgesch… Zeitungen wegräumen muss.
Nun sind wir aber wieder zurück und die Wiedersehensfreude war groß. Ein Papagei kann ja überhaupt nicht verstehen, warum einzelne Schwarmmitglieder plötzlich für mehrere Tage verschwunden sind und dann wieder da sind.
Wir waren gestern spät nachts zurückgekommen und haben natürlich noch kurz ins Papageienzimmer geschaut. Wenn wir nicht da sind, gehen sie ja abends zum schlafen nicht ins Bauer. Eddie hat kaum reagiert. Nicki hat aber ganz leise gepfiffen, und hat uns gleich im Halbschlaf das Köpfchen entgegengestreckt, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Continue reading ‘Nach dem Urlaub’
Eine der Kleinigkeiten, die das Leben mit unseren Grauen so nett machen: Vorhin bin ich zu den Grauen ins Zimmer gegangen, um den Vernebler vom inhalieren abzustellen und die Folie vom Bauer zu nehmen. Folgende Konversation ergab sich:
- Nicki zu mir in sehr freundlichem Ton: “Mäuschen!” (so nenne ich sie oft)
- Ich: ” Ach Du bist ja eine Süße. Du bist ja unsere ganz tolle Nicki”
- Nicki in sehr bestimmten Ton: “Genau!”
Ich finde es immer wieder toll, wie passend die beiden ihren Wortschatz einsetzen können. Sicherlich versehen sie nicht die genaue Bedeutung der Wörter, aber sie können die Wörter definitiv bestimmten Situationen und Stimmungen zuordnen. Insofern halte ich solche Konversationen durchaus auch für sinnhaltig. Nicki hat mich freundlich begrüßt und hat dann auf meine Ansprache mit Zustimmung geantwortet.