Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Zimmer mit Aussicht – So werden Fensterscheiben nicht zur Gefahr für Papageien

| Keine Kommentare

Hauspapageien, um die es hier ja geht, leben in menschlichen Wohnräumen – und die haben Fenster. Fenster sind unverzichtbar für Licht und Frischluft und damit für das Wohlbefinden von Mensch und Papagei. Doch für Papageien können Fenster auch zur unsichtbaren Gefahr werden. Dabei geht es gar nicht um das versehentlich offen gelassene Fenster, durch das der Papagei entflieht. Es geht um die Fensterscheibe.

In diesem Beitrag erkläre ich, warum gerade geschlossene Fenster so gefährlich für Papageien sind, was genau passieren kann, und wie man Unfällen vorbeugt.

Warum sind Fensterscheiben eine Gefahr für Papageien?

Papageien und Menschen sind Lichtwesen. Die meisten von uns lieben helle Räume und natürliches Licht. Große Fenster und bodentiefe Terrassentüren lassen Wohnräume viel ansprechender aussehen. Weil wir den Blick gern nach draußen ins Freie schweifen lassen, verzichten auch viele Menschen auf die traditionelle Gardine vor der Scheibe. Allenfalls ein Vorhang an der Seite oder ein Rollo geben dem Fenstern einen optischen Rahmen und können bei Bedarf zugezogen werden.

Im Grunde ist das für unsere Papageien so auch in Ordnung. Sie haben es auch gern schön hell. Viele Papageien mögen auch einen Sitzplatz direkt vor dem Fenster und beobachten von dort das Geschehen in der großen weiten Welt.

Allerdings sieht so ein Fenster ohne Gardine für Papageien ziemlich „offen“ aus. Im Urwald gibt es bekanntlich keine Glasscheiben. Daher haben Papageien auch kein angeborenes Warnsystem für unsichtbare Hindernisse. Unsere gefiederten Mitbewohner können ein geschlossenes Fenster also auch als Durchgang in die „ganz große Freiflughalle“ wahrnehmen.

Viel geredet, Zeit auf den Punkt zu kommen: Es besteht die Gefahr, dass Papageien mit vollem Schwung gegen das geschlossene Fenster fliegen.

Dieses Risiko ist auch dann vorhanden, wenn der Vogel die Wohnung gut kennt und eigentlich weiß dass es dort nicht weiter geht.

Papageien sind Fluchttiere. Wenn sie sich vor etwas erschrecken, werden sie wegfliegen um sich so schnell wie möglich so weit wie möglich von der Gefahr zu entfernen. Die meisten von uns haben es schon einmal miterlebt, wenn ihr Papagei in einer Schrecksituation plötzlich hektisch durch die Räume fliegt.

Das ist genau die Situation, in der Papageien auch durch das geöffnete Fenster entfliegen würden. Ist es geschlossen, fliegt er eben gegen die Scheibe.

Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass Papageien instinktiv zum Hellen fliegen. Bei Tage ist in den meisten geschlossenen Räumen das Fenster die Lichtquelle und die hellste Stelle des Raumes. Dadurch wird das Fenster zum natürlichen Ziel für den Vogel.

Genau diesen Effekt konnten wir einmal bei Nicki beobachten. Sie erschrak sich vor irgendetwas und sauste einfach los. Gekonnt flog sie durch unseren schmalen, fensterlosen und verwinkelten Flur. An dessen Ende stand die Schlafzimmertür offen. Unser Schlafzimmer ist recht groß und trotz der bodentiefen Terrassentür eher dunkel. Die Terrassentür befindet sich genau gegenüber der Schlafzimmertür. Für Nicki war das ein Weg: aus dem Dunklen heraus geradewegs ins Licht.

Klatsch!

Nicki war in vollem Tempo gegen die Glastür geflogen. Nun saß sie ziemlich benommen auf dem Fußboden und berappelte sich allmählich.

Wir hatten damals Glück gehabt. Nicki war nichts passiert. Nachdem sie sich beruhigt hatte, war alles wieder in Ordnung.

An der Scheibe konnten wir sehen, warum das so war: Deutlich erkennbar war ein staubiger Abdruck eines Papageienkörpers mit ausgebreiteten Flügeln. Nicki war also bäuchlings gegen die Scheibe geknallt. Vermutlich hatten die ausgebreiteten Schwungfedern auch einiges von dem Aufprall abgefangen. Wäre sie mit dem Kopf voran aufgeprallt, hätte das ganz anders ausgehen können.

Zu dieser Geschichte muss man noch erwähnen, dass Nicki unsere Wohnung sehr gut kannte und seit Jahren an große unverhängte Fenster gewöhnt war. In Fluchtsituationen übernehmen eben komplett die Instinkte.

Eine ganz ähnliche Gefahr geht übrigens von Spiegeln aus. Auch sie wirken wie eine Verlängerung des Raumes. Dahinter geht es bestimmt noch weiter. Verstärkt wird dieser Eindruck noch, wenn sich darin ein helles Fenster spiegelt.

Was genau kann passieren?

Der Papagei fliegt also mit Schwung gegen eine Glasscheibe. Je nachdem wie schnell er dabei war und wie er auftrifft, kann es dabei zu ernsthaften Verletzungen oder gar zum Tode kommen. Mögliche Folgen sind:

  • Alle Arten von Verletzung des Bewegungsapparates: Brücke, Verstauchungen, Verrenkungen, Prellungen
  • Gehirnerschütterungen
  • Innere und äußere Blutungen
  • Abgebrochene Federn
  • Verletzungen des Schnabels: Die Schnabelspitze kann dabei sogar abbrechen. Im ungünstigsten Fall kann der Vogel dann nicht mehr selbständig Nahrung aufnehmen.
  • Genickbruch

Erste Maßnahmen bei Unfällen an Fensterscheiben

Selbstverständlich muss der Vogel nach einem solchen Unfall vom Halter gründlich untersucht werden. Je nach Ergebnis sollte man Erste Hilfe Maßnahmen einleiten oder bei Bedarf sofort einen Tierarzt aufsuchen. Für Details dazu sollte man entsprechende Literatur im Haus haben.

Hier die wichtigsten Dinge, auf die man achten sollte:

  • Den Vogel beruhigen, damit er sich nicht in Panik noch mehr verletzt – beruhigend auf den Vogel einreden, handzahme Vögel hochnehmen, an einen vertrauten Ort bringen
  • Den Vogel möglichst ruhig stellen, hektische Bewegungen und weiteres fliegen möglichst vermeiden
  • Blutet der Vogel? Offene Wunden oder gar Brüche?
  • Sind Schnabel und Krallen in Ordnung oder ist etwas abgebrochen?
  • Kann sich der Vogel normal bewegen? Sind Flüge, Beine und Füße in der richtigen Haltung?

Wenn man akute Verletzungen ausgeschlossen hat, muss der Vogel für die nächsten Stunden und Tage weiter beobachtet werden. Ist er benommen oder kehrt er zu seinem normalen Verhalten zurück? Frisst er normal? Kann er ohne Einschränkungen fliegen und klettern? Sucht er Ruhe?

Gaby hat auf ihrer Seite Birds Online die Symptome von leichten bis schweren Gehirnerschütterungen sehr gut beschrieben. Ich habe mir erlaubt, die wichtigsten Stichworte von dort zu übernehmen. Folgende Anzeichen können auf eine Gehirnerschütterung hindeuten:

  • Bewusstlosigkeit
  • Bewegungsstörungen, Flugunfähigkeit, taumeln, Krämpfe, Lähmungen
  • Kopf wird verdreht
  • Koordinations- und Flugstörungen, Gleichgewichtsstörungen
  • Übergeben
  • Appetitlosigkeit, Müdigkeit

Wenn man sich nicht ganz sicher ist, dass der Papagei den Unfall unbeschadet überstanden hat, sollte man unbedingt einen Tierarzt kontaktieren! (auch dazu empfehle ich noch einen Blick auf die oben verlinkte Seite. Gaby geht dort auch auf die Besunderheiten ein, wenn man Vögel mit Verdacht auf Gehinrerschütterung transportieren muss.)

Das gilt übrigens auch bei abgebrochenen Federn. Die verbliebenen Federkiele stören die Papageien oft. Sie beginnen dann, daran herumzunagen. Daraus kann schnell eine Angewohnheit werden und der Beginn für die Karriere als Federrupfer ist gemacht. Ein papageienkundiger Tierarzt kann abschätzen, ob er den Federrest nicht besser fachgerecht zieht.

Wie kann man vorsorgen?

Der Volksmund weiß es: Rechtzeitige Vorkehrungen sind immer besser also die beste Notfallversorgung.

Wie Nickis Beispiel oben zeigt, gibt es nie absolute Sicherheit – außer vielleicht, wenn man immer die Jalousien geschlossen hält. Das kann aber auch keine Lösung sein. Dennoch kann man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Fenster und Spiegel kennenlernen

Das Wichtigste ist für mich, dass der Vogel alle Fenster in der Wohnung kennt und weiß, dass es dort nicht weitergeht. Bei handzahmen Papageien ist das recht einfach.

Nach jedem Umzug haben wir in der neuen Wohnung unsere Papageien auf die Hand genommen und sind mit ihnen zu jedem Fenster gegangen. Wir haben mit dem Finger gegen die Scheibe geklopft und haben auch den Vogel mit dem Schnabel anklopfen lassen. Man kann den Vogel auch mit dem Ganzen Rumpf an die Fensterscheibe halten, so dass er den Widerstand spürt.

Das haben wir mit allen Fenstern und an verschiedenen Stellen der Scheibe mehrmals wiederholt.

Zusätzlich und bei nicht handzahmen Vögeln wird das Fenster in der Eingewöhnungszeit ganz oder teilweise verdeckt. Wir haben dazu die Rollos zuerst ganz heruntergezogen und dann jeden Tag ein Stück höher gestellt.

Fenster können eine Gefahr für Papageien sein

Papageien können sich an Fenster gewöhnen

Markierungen durch Aufkleber u.ä.

Im Internet habe ich an vielen Stellen den Tipp gefunden, die Fenster mit Aufklebern, Fensterbildern u.ä. kenntlich zu machen. Das ist auch eine Möglichkeit. Ist natürlich Geschmacksache. Ästhetisch etwas ansprechender sind vielleicht diese aufklebbaren Pseudo-Sprossenfenster. Mindestens für den Übergang sind alle diese Varianten eine gute Lösung. Ein paar Dinge gebe ich allerdings bedenken:

  • Ich denke, dass man die Fenster dann schon großflächig bekleben sollte. Papageien sind geschickte Flieger die auch durch schmale Spalte fliegen können. In Panik wird ein Papagei je nach Größe auch die 30 cm Abstand zwischen Aufkleber und Fensterrahmen als Fluchtweg ansehen.
  • Ich bin auf die Empfehlung gestoßen, diese Aufkleber mit Raubvogelsilhouetten zu verwenden, die manchmal zum Schutz der Wildvögel an großen Fensterscheiben kleben. Ich bin mir nicht sicher, ob ein aus den Tropen stammender Papagei wirklich den Umriss eines deutschen Raubvogels als Gefahr erkennt. Wenn ja, ist die Abschreckung zwar wirksam. Aber dann lebt der Vogel doch ständig mit dem Abbild seines Feindes vor Augen. Ich hätte Sorge, dass ich so Dauerstress auslöse.
  • Auch Post-Its wurden empfohlen. Die halten nach meiner Erfahrung nicht sehr lange. Wahrscheinlich fallen sie nach ein paar Tagen vom Luftzug des vorbeifliegenden Papageien ab.
  • Wenn man die Fenstermarkierung mit Klebestreifen befestigen möchte hat man immer das Risiko, hinterher ein paar Rückstände vom Kleber an der Scheibe zu haben. Für solche Fälle hat sich bei uns das Scotch Magic Tape bewährt. Das hält zwar nicht ganz so gut wie das Original-Markenprodukt. Aber es lässt sich absolut rückstandsfrei entfernen – und da es matt ist, wird es auf Papier fast unsichtbar.

In einer früheren Wohnung hatten wir schöne breite Fensterbretter. Dort hatte ich mehrere große Hibiskuspflanzen stehen. Das war für mich eine viel ansehnlichere Fenstermarkierung als Aufkleber.

Ich finde es wichtig, Fenster nicht nur abzudecken, sondern den Papageien beizubringen dass es dort nicht weitergeht. So gibt es keine Irritationen, wenn die aufgeklebte Markierung doch einmal abfällt. Außerdem gewöhnt er sich so bei einem Umzug auch leichter an andere Fenster

Als wir Eddie abgegeben haben, nahm seine neue Besitzerin unsere große Fensterfront im Wohnzimmer mit einiger Erleichterung wahr: „Ein Glück, der Vogel ist Fenster gewöhnt. Ich hatte schon Sorge, dass er mit unseren Fensterscheiben nicht klar kommt.“

Gardinen

Der deutlichste Schutz vor „unsichtbaren“ Fensterscheiben sind natürlich die klassischen Gardinen. Auch hier wieder: Geschmacksache. Ob man sich nun nur wegen der Papageien wieder einen Store vor das Fenster hängt, muss jeder für sich entscheiden. Doch auch hier lauert Gefahr. Einmal hineingeflogen verheddern sich Papageien schnell mit den Krallen in dem dünnen und Spitzengewebe.

Einen unser Wellensittiche fanden wir mal als wir nach Hause kamen in der Gardine hängend vor. Der Ärmste war schon ganz entkräftet und hing mit dem Kopf nach unten. Wir haben ihn kurzerhand aus der Gardine herausgeschnitten und den Rest Stoff hinterher von der Kralle abgemacht. Lange hätte er das nicht mehr durchgehalten. Seine Kralle war seit diesem Vorfall etwas verbogen, was ihn aber nicht weiter gestört hat.

Mein Fazit

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Papageien lernen können, wo eine Fensterscheibe oder ein Spiegel ist. Dort fliegen sie dann auch nicht bewusst hin. Eddie drehte bei seinem Anflug auf die Galerie immer sehr elegante Kurven messerscharf vor der großen Terrassentür. Die Gefahr von Unfällen bei Panikflügen bleibt damit allerdings bestehen.

Share On Facebook
Share On Twitter
Share On Google Plus
Contact us

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.

anzeigen
verbergen