Papageienblog

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Die richtige Luftfeuchtigkeit für Papageien – warum sie wichtig ist und wie man sie erreicht

| 2 Kommentare

Die Heizungssaison nähert sich und damit rückt wider die Frage der richtigen Luftfeuchtigkeit für unsere Papageien in Wohnungshaltung in den Blickpunkt. Heizungsluft ist oft sehr trocken und kann selbst Menschen Beschwerden bereiten. Papageien sind Tropenbewohner und benötigen für ihre Gesundheit eine weit höhere Luftfeuchtigkeit.

Doch wie erreicht man die? In den meisten Wohnungen wird ein Luftbefeuchter nötig sein. In diesem Beitrag stelle ich verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit vor und berichte von meinen Erfahrungen. Zum Einstieg erkläre ich noch kurz, warum die richtige Luftfeuchtigkeit für Papageien so wichtig ist.

Warum benötigen Papageien eine ausreichende Luftfeuchtigkeit?

Die meisten Papageienarten sind Tropenbewohner. Daher sind sie ihre organischen Funktionen auf eine hohe Luftfeuchtigkeit ausgerichtet. Kurz gesagt trocknen bei zu trockener Umgebungsluft die empfindlichen Schleimhäute der Atemwege aus. Dadurch können die ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen und den Vogel vor eindringenden Krankheitserregern schützen.

Besonders die Gefahr einer Erkrankung an Aspergillose nimmt so zu. In Leitsymptome bei Papageien und Sittichen steht dazu

„Durch Austrocknung des Epithels der Atemwege nimmt die Resistenz gegenüber Pilzinfektionen stark ab. Dazu kommt oft ein geringer Luftaustausch, wodurch die Ansammlung von Pilzsporen und sonstigen Schadstoffen in der Luft gefördert wird.“

Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit sein?

Auf diese Frage gibt es eine einfache und eine komplizierte Antwort.

Die einfache Antwort lautet: Auf jeden Fall höher als es in unseren beheizten Wohnräumen üblich ist.

Die komplizierte Antwort lautet: So ganz genau kann ich das nicht sagen. Ich habe diese Frage in allen mir zur Verfügung stehenden Büchern und im Internet recherchiert und Antworten in einer Spanne von 50% bis 90 % Luftfeuchtigkeit gefunden. Belastbare Quellenangaben waren nie dabei.

Auf der sicheren Seite ist man in jedem Fall, wenn man sich an der Luftfeuchtigkeit in den Herkunftsgebieten der Papageienarten orientiert. Viele Papageienarten sind Tropenbewohner, so dass ein Blick auf die Klimawerte tropischer Regenwälder Aufschluss gibt. Auch hier schwanken die Angaben. Man kann jedoch mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass die tropenbewohnenden Arten wie Graupapageien, Aras und Amazonen in ihren Heimatgebieten eine Luftfeuchtigkeit von 70% und mehr haben:

  • 70-100% (Quelle)
  • „permanente und extrem hohe Luftfeuchtigkeit“ (Quelle)
  • am Tag 80-90%, nachts bis 100% (Quelle)

Vor diesem Hintergrund ist die oft gelesene Aussage, dass Wohnungspapageien eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 60% benötigen, nicht untertrieben.

Hohe Luftfeuchtigkeit in Wohnungen – Was ist zu beachten?

Auch für Menschen wird empfohlen, während der Heizperiode für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Zu trockene Atemluft trocknet auch unsere Schleimhäute aus und macht sie anfälliger für Krankheitserreger. Allerdings sind wir keine Tropenbewohner. Für Wohnräume wird im Allgemeinen eine Luftfeuchtigkeit von 40%-60% empfohlen. Damit treffen sich zumindest unsere Obergrenze und die Untergrenze der Papageien.

Allerdings verbessern sich bei einer Luftfeuchtigkeit oberhalb von 50% nicht nur die Lebensbedingungen der Papageien, sondern auch von Schimmelpilzen und Milben. Züchtet man versehentlich auch diese Mitbewohner, tut man der Gesundheit der Papageien letztlich auch keinen Gefallen.

Daher ist bei zu hoher Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen auch eine gewisse Vorsicht geboten. Unsere Wohngebäude sind nicht als tropische Gewächshäuser konzipiert. Besonders Gebäude mit moderner Wärmedämmung können regelrecht luftdicht sein. Da zieht sich die mühsam aufgebaute Luftfeuchtigkeit schon mal in Ecken, in denen man sie nicht haben will.

Nachdenklich gemacht hat mich die Aussage eines Trainers auf einer Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutzschulung zu diesem Thema. Sinngemäß sagte er Folgendes:

„In den modern isolierten Gebäuden kann die Luftfeuchtigkeit nicht nach außen entweichen. Wenn Sie aber eine Trockenbauwand haben, saugt die die ganze Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm. Ihre Raumluft ist dann wieder trocken und Ihre Wand beginnt zu schimmeln.“

Als Lösung für dieses Dilemma kann man wohl nur anstreben, eine Luftfeuchtigkeit zu finden und halten, die für alle – Papageien, Menschen und Gebäude – ein akzeptables Niveau hat. Wo dieses Niveau liegt, dürfte je nach Vogelart, menschlicher Wahrnehmung und Bausubstanz unterschiedlich sein.

In jedem Fall empfehle ich, die Werte im Wohnbereich mit einem Hygrometer stets genau zu beobachten.

Wie erhöht man die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen?

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: Do-it-yourself mit Wasserschüsseln, feuchten Tüchern usw. oder über spezielle Luftbefeuchter. Jede davon hat ihre Vor- und Nachteile. Einen guten Überblick über die verschiedenen technischen Möglichkeiten gibt es auch auf dieser Seite, die zudem auf den Energiebedarf eingeht. Hier mein Überblick:

Wasserschüsseln, feuchte Tücher und Ähnliches

Die Auswahl ist groß – Schalen, Schüsseln und Töpfe finden sich in jedem Haushalt. Man kann feuchte Tücher in den Raum hängen (auf der Heizung Brandgefahr beachten) oder die Wäsche zum Trocknen aufstellen. Zusätzlich gibt es im Handel verschiedene Wasserbehälter, die an den Heizkörper gehängt werden können, z.B. diese hier.

Auch Zimmerpflanzen, Aquarien und Zimmerbrunnen erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Ob das allerdings das Richtige Inventar für den Wohnbereich von Papageien ist, kommt ganz auf die Bewohner an.

All diese Möglichkeiten sind einfach und kostengünstig einsetzbar. Größere Anschaffungen sind meist nicht nötig. Dadurch sind sie auch die ideale Erste-Hilfe-Maßnahme, um die Luftfeuchtigkeit etwas anzuheben.

Je nach Gebäudesubstanz ist die Wirksamkeit allerdings ganz unterschiedlich. Ich habe schon viele begeisterte Kommentare gelesen, dass diese Maßnahmen prima wirken und völlig ausreichend sind. In unserer schlecht isolierten Wohnung konnte ich das leider nicht bestätigen. Auch mit mehreren Wasserschalen und einem nassen Handtuch über der Heizung konnte ich am Hygrometer kaum messbare Veränderungen erkennen. Den Zielwert von 60 % habe ich so nie erreicht. Zum Glück lässt sich das schnell ausprobieren.

Ein paar Worte der Vorsicht sind allerdings angebracht:

  • Offene Wasserbehälter können für Papageien eine Unfallgefahr darstellen. Die Behälter sollten immer so ausgewählt oder platziert werden, dass die Vögel nicht hineinstürzen und ertrinken können. Alternativ wählt man sehr flache Behälter, so dass die Papageien sicher wieder hinauskommen. Eine Badeschale ist in jedem Fall eine gute Wahl.
  • Unbedingt die Hygiene beachten: Überall, wo Wasser länger steht, bilden sich Keime. Ich empfehle, das Wasser regelmäßig zu wechseln und die Behälter bei dieser Gelegenheit gründlich zu reinigen. Alternativ gibt es auch Wasserzusätze, die die Verkeimung verhindern sollen. In der Nähe von Haustieren bin ich da etwas vorsichtig. Wer auf solche Mittel zurückgreifen möchte, sollte sich vorsichtshalber gut informieren und ein möglichst unbedenkliches Mittel wählen.

Luftbefeuchter

Wenn sich die Luftfeuchtigkeit mit Wasserschalen u.ä. nicht ausreichend erhöhen lässt, kann ein Luftbefeuchter Abhilfe schaffen. Die Auswahl ist groß und die Preisspanne auch. Außerdem kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, das Wasser in die Luft zu bekommen.

Kaltbefeuchter

Kaltluftbefeuchter erzeugen – wie der Name schon sagt – Luftfeuchtigkeit, ohne das Wasser zu erhitzen. Die Geräte arbeiten mit dem Prinzip der Verdunstung. Der große Vorteil ist, dass so keine Verbrennungsgefahr durch heißes Wasser oder heißen Wasserdampf besteht.

Die Luftfeuchtigkeit entsteht durch einen Ventilator oder durch einen Ultraschall-Vernebler. Zu letzteren habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungsberichte gelesen. Ultraschall ist zwar für den Menschen nicht hörbar, kann aber für Haustiere im wahrnehmbaren Bereich liegen. In einigen Kommentaren wurde über einen problemlosen Einsatz berichtet. Andere haben das Gerät wieder abgeschafft, da ihre Papageien erkennbar darauf reagiert haben.

Ein weiteres Problem der kalt arbeitenden Geräte ist wieder die Hygiene. Auch hier können sich in dem kalten Wasser schnell Keime und Bakterien ansiedeln, die dann wieder mit Desinfektionsmitteln im Wasser bekämpft werden müssen. Einige Geräte – wie dieses hier – setzen daher zusätzlich UV-Licht ein, um die Keime zu zerstören. Eigene Erfahrungen habe ich zu diesen Geräten nicht.

Verdampfer

Wegen des Hygieneproblems war unsere Wahl stets ein Verdampfer. Hier wird das Wasser praktisch verkocht. Damit werden gleichzeitig alle Keime wirksam abgetötet. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Zunächst hatten wir Bedenken, weil damit heißer Wasserdampf erzeugt wird. Eine gewisse Unfallgefahr ist somit gegeben. Allerdings kühlt sich der Dampf auch recht schnell ab. Wirklich heiß ist er nur dicht über dem Gerät. Eine wirkungsvolle Sicherung hat sich zudem Carola vom Papageien-Blog einfallen lassen: Sie stülpt einfach einen Vogelkäfig über den Verdampfer. Bei technikbegeisterten Papageien schützt diese Lösung nicht nur die Vögel vor dem Dampf, sondern auch das Gerät vor neugierigen Papageienschnäbeln.

Wir hatten zuletzt diesen Verdampfer im Einsatz, davor schon das Vorgängermodell: Daher kann ich hier etwas mehr zu meinen Erfahrungem schreiben:

Von der Leistung her war der Verdampfer für unser Papageienzimmer völlig ausreichend und hat dauerhaft eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit erzeugt. Der Wassertank war ausreichend groß für rd. 24 Stunden Dauerbetrieb. Beide Geräte waren robust und zuverlässig. Bei hartem Wasser ist allerdings – wie bei allen anderen Verdampfern auch – eine regelmäßige Reinigung und Entkalkung dringend geboten. Auch die zugehörigen xxx sollten beizeiten ausgetauscht werden.

Luftwäscher

Luftäscher sind eine Sonderform der Kaltbefeuchter. Das Wasser wird durch rotierende Platten verdunstet. Gleichzeitig wird dabei die Luft von Staub, Keimen, Pollen usw. gereinigt – eben gewaschen.

Ich selbst hatte nie einen Luftwäscher, habe in diversen Blogs und Diskussionsforen aber nur Gutes darüber gelesen. Es wurde praktisch einhellig berichtet, dass diese Geräte eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit erzeugen können.

Von Vorteil sind diese Geräte mit zusätzlicher Luftreinigungsfunktion eindeutig bei Papageienarten die viel Federstaub produzieren. Auch für heuschnupfengeplagte Menschen bietet ein Luftwäscher Entlastung. Vor einiger Zeit war ich mitten in der Heuschnupfensaison bei einer befreundeten Papageienhalterin zu Besuch. Sie wies mich stolz auf ihren Luftwäscher hin, der ihr zu dieser Zeit merklich Erleichterung verschafft. Tatsächlich hat sich die Luft in dem Raum angenehm sauber und frisch angefühlt.

Als Kaltverdunster besteht natürlich auch hier wieder das Problem der Verkeimung. Der bekannteste Hersteller Venta bietet dafür ein Hygienemittel an, das in das Wasser gegeben werden soll. Carola vom Papageien-Blog berichtet dazu hier detailliert über ihre Erfahrungen.

Wie steuert man die Höhe der Luftfeuchtigkeit?

Mit allen Geräten die wir im Einsatz hatten konnten wir zwar effektiv die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Gezielt einen bestimmten Feuchtigkeitswert zu erreichen und zu halten war dagegen deutlich schwieriger. So genau ist die Steuerung dann doch nicht – zumindest bei den Geräten die ich kenne.

Wenn stets jemand im Haus ist, ist das leicht zu lösen. Mit einem gelegentlichen Blick auf das Hygrometer kann man das Gerät manuell regeln. Wir waren aber täglich mehrere Stunden außer Haus. In dieser Zeit sollte die Luftfeuchtigkeit weder stark absinken, noch zu hoch steigen.

Unsere Lösung war dieses simple Hygrostat, das wir zwischen Steckdose und Luftbefeuchter geschaltet haben. Bei diesen Geräten kann man einen Zielwert für die Luftfeuchtigkeit einstellen. Wird dieser Wert überstiegen, unterbricht das Hygrostat die Stromzufuhr zum Luftbefeuchter. Fällt die Luftfeuchtigkeit unter den Zielwert, wird die Stromzufuhr wieder hergestellt und der Luftbefeuchter nimmt seine Arbeit wieder auf.

So konnten wir zuverlässig und ohne großen Aufwand eine geeignete Luftfeuchtigkeit in unserem Papageienzimmer halten.

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2 Kommentare

  1. Hallo Dagmar. Wir haben auch diesen Verdampfer den du in deinem Artikel empfohlen hast. Wir haben genau den gleichen.
    Unser ist jetzt seit 3 Wochen im Dauer-Einsatz. Es funktioniert tadellos: In der Maximalstufe verdampft es 10 l in 24 Stunden, was in einem angemessenen Raum (ca. 50-60 Kubikmeter) zu einer deutlichen Anhebung der Luftfeuchtigkeit führt; z. B. von 30 auf 65 % (dann musste ich es abstellen, weil die Fensterscheiben beschlugen). Wenn die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit als zu gering empfunden wird, liegt es eher an der Grösse des Raumes als an dem Gerät.
    Das Geräusch ist nach dem Wasserwechsel für einige Minuten etwas rauh, bald danach ist es aber so gering, dass man das laufende Gerät nachts durchaus neben dem Bett stehen lassen kann.
    Die Reinigung/Entkalkung (die nach 1 Woche – d.h.nach Durchlauf von 70 Liter kalkhaltigen Wassers – unbedingt nötig ist) lässt sich problemlos bewerkstelligen.
    Die Bedienungsanleitung ist ausgezeichnet.
    Zu bedenken: Im Dauerbetrieb muss man Stromkosten (380 Watt x 24 Stunden x 20 Cent/kWh)von knapp 2 Euro pro Tag rechnen.

    • Hallo Andreas,

      danke dass Du Deine Erfahrungen hier teilst.
      Wie gesagt waren wir mit dem Gerät auch rundum zufrieden.
      Das mit dem regelmäßigen Reinigen kann ich auch bestätigen. Das entscheidet ganz wesentlich über die Lebensdauer des Gerätes.

      Dagmar

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