Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Mein Papagei beißt sich auf – was tun?

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Ich hatte hier im Blog mehrfach über das Schicksal unserer Nicki  berichtet, die sich hartnäckig immer wieder eine Wunde unter dem Flügel aufbeißt. Vor kurzem erhielt ich dazu eine Anfrage einer Leserin, die mit ihrem Graupapageien ganz ähnliche Probleme hat. Wir haben ihr inzwischen per Telefon ein paar Erfahrungen weitergegeben. Da das Problem der Selbstverstümmelung bei Papageien leider gar nicht so selten ist, passen hier auch gut ein paar allgemeine Hinweise. Was also soll man tun wenn man bemerkt, dass der Papagei sich selbst eine Wunde aufbeißt?

Um das Ergebnis einmal vorwegzunehmen: Es gibt viele Handlungsansätze, die man unbedingt verfolgen sollte. Einen garantierten Erfolg bieten die leider alle nicht. Es ist leider so, dass solche Verhaltensprobleme sich bei Papageien schnell zu einer dauerhaften Angewohnheit verfestigen. Dann werden sie von manchen Vögeln auch beibehalten, wenn die Ursache und der Auslöser längst beseitigt sind. Trotzdem sollte man nichts unversucht lassen.

Erste Schritte und mögliche Ursachen

Das Wichtigste was man sich als Halter zulegen sollte ist Geduld, Geduld und noch eine große Portion Geduld. Man sollte sich darauf einstellen, dass möglicherweise ein sehr langer Weg mit vielen Rückschlägen vor einem liegt. Hilfreich ist es auch, wenn man trotz der besorgniserregenden Situation eine gewisse Ruhe bewahren kann. Papageien haben sehr feine Antennen für die Stimmung ihrer Menschen. Ein verunsicherter und gestresster Halter ist sicher nicht förderlich.

Der erste Schritt sollte dann immer der Weg zu einem papageienerfahrenen Tierarzt sein. Je mehr Erfahrung der Arzt mit den Besonderheiten papageiischer Patienten hat, desto besser. Das erhöht die Chancen, dass er es schon mit ähnlichen Fällen zu tun hatte und vielleicht mehr als nur eine Idee für Therapien hat. Wir hatten bei Nicki das große Glück eine Tierärztin zu haben, die nicht nur eine echte Expertin auf diesem Gebiet ist. Sie ist auch sehr mitfühlend und engagiert. Als die üblichen Lösungsansätze nicht halfen hat sie nicht aufgegeben, sondern recherchiert, Kollegen befragt und alle möglichen anderen Ansätze verfolgt. Es war eine Reise mit vielen Rückschlägen, doch letztlich kam Nicki tatsächlich auf den Weg der Besserung.

Neben der Wundversorgung ist die wichtigste Aufgabe des Tierarztes, mögliche organische Ursachen für das aufbeißen zu finden bzw. auszuschließen. Die organischen Ursachen können dabei ganz vielfältig sein. Das beginnt bei inneren Erkrankungen wie z.B. Leberschädigungen, die einen Juckreiz der Haut hervorrufen können. Aber auch Parasiten wie Federmilben kommen in Frage. So findet man vielleicht schon einen ersten Therapieansatz.

Dann beginnt die lange Suche nach weiteren Ursachen. Papageien – und besonders auch Graupapageien – sind nun einmal sensible Tiere, die auf Haltungsprobleme mit Verhaltensproblemen reagieren können. Und nichts anderes ist das aufbeißen von Wunden, wenn organische Ursachen erst einmal ausgeschlossen sind – eine Verhaltensstörung. Die Ursachen können hier sehr vielfältig sein. Grob gesagt sollte man sich die Themen Langeweile, Einsamkeit und Stressfaktoren in all ihren Ausprägungen ansehen.

Bei Nicki war die Ursache damals leicht zu finden, aber schwer abzustellen: Als Handaufzucht war sie stark auf uns Menschen fixiert und sah Eddie-Vogel nicht als geeigneten Partner an. Nachdem unsere Kinder zur Welt kamen, litt sie sehr darunter, dass wir notgedrungen weniger Zeit für sie hatten.

Lösungsansätze

Auf die medizinischen Aspekte bin ich bereits eingegangen. Hier geht es um die Versorgung der Wunde und gegebenenfalls um die Behebung organischer Ursachen. Zusätzlich stehen Arzt und Halter vor der Herausforderung, die Wunde dauerhaft vor dem Papageienschnabel zu schützen. Die beste Wundheilung nützt nichts, wenn der Vogel die Stelle immer wieder neu aufbeißt. Da muss man unter Umständen ganz schön experimentieren. Bei Nicki haben wir die Wunde zunächst zusätzlich zu dem eigentlichen Verband mit dicken Frotteesocken und viel Pflaster darüber geschützt (beschrieben hier und zu sehen hier) . Das hatte den positiven Nebeneffekt, dass ihr Nagetrieb auf die Socke gelenkt wurde. Irgendwann half auch das nichts mehr und die Tierärztin griff notgedrungen zur Halskrause.

Graupapagei Nicki mit Sockenverband

Soweit man haltungsbedingte Ursachen gefunden hat, kann man auch daran arbeiten. Hat es in letzter Zeit Veränderungen im Umfeld des Papageien gegeben? Kann man die eventuell wieder rückgängig machen oder abmildern? Es ist in jedem Fall eine gute Idee, dem Vogel möglichst viel Beschäftigung und vor allem Nagematerial zu bieten. Jede Minute die der Papagei an einem Zweig nagt, nagt er nicht an seiner Wunde. Mit Glück und Geduld kann man die Gewohnheiten des Vogels vielleicht wieder auf geeignetere Nageobjekte lenken.

Hier muss man auch auf den Charakter des Vogels eingehen. Für unternehmungslustige Naturen kann ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm nützlich sein. Für ein Sensibelchen wäre das eher ein zusätzlicher Stressfaktor.

Noch ein Aspekt: Mit Nicki mussten wir eine lange Phase ohne echte Fortschritte erleben. In einer solchen Situation kommen einem alle möglichen Gedanken. Irgendwann fragten wir uns, was das denn noch für ein Leben für den Vogel sei, wenn er vielleicht dauerhaft mit Wunde, Verband und Halskrause leben müsste. Ob man ihn da nicht besser erlöst? Zum Glück hatte unsere Tierärztin eine ganz eindeutige Antwort für uns. So lange der Vogel sich noch nicht selbst aufgegeben hat, sollte man ihn auch nicht aufgeben. Nicki hatte ganz klar noch Lebensmut und Lebensfreude. Sie war ja bei der Aufnahme im Haushalt der Tierärztin regelrecht wieder aufgeblüht.

Das bringt mich zu meinem letzten Rat: Suchen Sie sich Rat! Suchen Sie das Gespräch mit Menschen, die sich mit solchen Situationen auskennen! Ein sich aufbeißender Vogel ist eine Extremsituation, die dem Halter einiges abverlangt. Ein Austausch mit einer erfahrenen Person, die auch mehr Distanz zu dem konkreten Fall hat, kann in jeder Hinsicht helfen.

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