Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Nach unten fliegen

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Papageien sind ja bekanntlich sehr geschickte Flieger. Mit ihren kurzen kräftigen Flügeln sind sie bestens ausgestattet, um auch im Urwald zu manövrieren, enge Kurven zu fliegen und durch schmale Zwischenräume zu kommen. Außerdem gilt ja bekanntlich für alles was fliegt: „Runter gekommen sind sie bisher noch alle“ – irgendwie.

Also klingt es auf den ersten Blick paradox, aber Wohnungspapageien haben Schwierigkeiten, nach unten zu fliegen. Dabei ist das eigentlich ganz logisch: eine normale Wohnung ist ungefähr 2,50 m hoch. Eine Voliere beim Züchter ist auch oft nicht höher. Also sind unsere heimischen Hausgenossen oft sehr geübt darin, durch Flure und Türen sowie um Zimmerecken zu fliegen. Aber sie hatten in ihrem Leben kaum Gelegenheit, Höhenunterschiede von mehr als diesen 2,50 m zu überwinden. Natürlich hat ein Papagei kein Problem damit, mal eben vom Türrahmen auf den Tisch oder sogar auf den Fußboden zu fliegen. Das fällt unter Kurzstreckenmanöver und wird meistens perfekt beherrscht. Anders sieht es aber aus, wenn im Flug größere Höhenunterschiede überwunden werden müssen.

Jeder, dem schonmal ein Papagei entflogen ist, wird ein Lied davon singen können. Leider gilt in diesem Fall eher „Hoch kommen sie immer irgendwie“. Wenn ein Papagei erstmal Luft unter den Flügeln hat, kommt der Auftrieb ganz von selbst. Ein Windstoß, den der Wohnungsbewohner ja auch nicht gewohnt ist, tut ein Übriges. Bei einem entflogenen Vogel kommt dann noch dazu, dass er höchstwahrscheinlich erschrocken und verängstigt ist. Der natürliche Instinkt wird dem Papagei empfehlen, sich ein sicheres Plätzchen zu suchen. Sicher ist aus Papageiensicht möglichst weit oben. Und schon findet sich der Ausreißer irgendwo auf einem Baum oder einem Dach wieder.

Wenn der Besitzer ihn dort oben entdeckt hat und lockt und ruft, zeigt sich das Dilemma. Der Vogel möchte vielleicht sogar zu der vertrauten Person zurück, aber er weiß nicht wie. Er ist noch nie über so eine Höhe gezielt nach unten geflogen und wie gesagt – die Aerodynamik sorgt eher für Auftrieb. Ich war zum Glück noch nie in so einer Situation und kann nur wiedergeben was ich gelesen habe. Die häufigste Empfehlung lautet sich so zu positionieren, dass der Papagei etwa in einem 45 Grad-Winkelzu einem nach unten fliegen muss. Näher dran wäre der Winkel zu steil. Weiter weg wäre dann schon zu weit weg. Der Vogel soll einen ja noch sehen und hören.

Wir haben allerdings auch in unserer Wohnung regelmäßig die Gelegenheit zu beobachten dass das mit dem nach unten fliegen selbst in vertrauter Umgebung so seine Tücken hat. Über unserem Wohnzimmer ist noch eine offene Galerie. Die Papageien sitzen gern auf dem Geländer und somit geschätzte 3,30 bis 3,50 m über dem Fußboden. Wenn sie von dort aus zurück in ihr Zimmer fliegen sollen, müssen sie zunächst in Gegenrichtung zur Fensterfront hin starten, vor dem Fenster abbremsen und eine 180-Grad-Kurve fliegen (das geringste Problem) und gleichzeitig auch noch die Höhe reduzieren. Das scheint tatsächlich nicht so einfach zu sein. Oft genug wird das Manöver abgebrochen und zum Ausgangspunkt auf die Galerie zurückgekehrt.

Richtig schwierig wird es, wenn auch noch die Startbahnbeleuchtung in die Irre führt – sprich, wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen. Papageien fliegen ja lieber ins Helle als ins Dunkle. Jetzt im Winterhalbjahr haben wir ja abends schon Licht an. Wenn es dumm läuft, leuchten ein Deckenfluter und mehrere Spots die Wohnzimerdecke hell an, während die weitere Flugrute durch die Diele ins Papageienzimmer eher spärlich beleuchtet ist. Dann kriegen die Vögel im wahrsten Sinne des Wortes nicht richtig die Kurve. In diesen Fällen hilft es tatsächlich, die Beleuchtungsverhältnisse unzudrehen: Deckenfluter herunterdimmen, Spots aus, in der Diele alle Lampen anmachen die da sind. Siehe da, dann finden sie auch ihren Weg.

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