Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Naturbruten sind emotional stabiler

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Wenn wir wegen Nicki mit der Tierärztin telefonieren, sprechen wir oft auch kurz über Eddie. Wir alle hatten ja etwas Sorgen, wie er die lange Trennung von Nicki verkraften würde. Eddie hat immerhin noch nie ohne Graupapageien-Gesellschaft gelebt. Zum Glück konnte ich da bisher immer nur Positives berichten. Eddie scheint mit unserer Gesellschaft recht zufrieden zu sein und kommt gut klar.

Das erzählte ich also letztens der Tierärztin und fügte hinzu „Wissen Sie, Eddie ist ja eine Naturbrut. Das ist der emotional stabilste Vogel, den wir je hatten“. Darauf die Tierärztin mit echter Begeisterung in der Stimme: „Danke dass Sie das sagen! Das ist genau mein reden. Dabei habe ich oft das Gefühl dass ich gegen eine Wand anrede. Schön dass Sie mich da bestätigen.“ Die Reaktion hat mich natürlich sehr gefreut.

Der Unterschied zwischen Eddie und den handaufgezogenen Papageien die ich kenne ist tatsächlich enorm.Der Vogel ist im Vergleich sowas von entspannt und ruht in sich selbst. Er hat zwar nicht so viel Interesse an uns Menschen, wie eine Naturbrut das üblicherweise hat. Aber dadurch kommt er eben auch mit Situationen, in denen die menschlichen Schwarmmitglieder mal nicht so viel Zeit für ihn haben, viel besser klar. Außerdem ist es ja nicht so, dass er gar nichts mit uns zu tun haben will. Er nimmt durchaus interessiert an unserem Leben teil und ist auch futterzahm. Das heißt, er nimmt auch mal ein Leckerli von uns aus der Hand. An der weit verbreiteten Meinung, dass Naturbruten nicht zahm werden, ist also wirklich nichts dran.

Wer einen zahmen und zutraulichen Papageien möchte, hat es zwar auf den ersten Blick mit einer Handaufzucht einfacher. Klar, diese Vögel halten sich ja fast selbst für Menschen und schließen sich daher ihren Besitzern viel schneller an. Dafür haben sie aber auch viel höhere Erwartungen an ihren menschlichen Schwarm. Papageiische Schwarmmitglieder sind immer zusammen. 24 Stunden lang. Die gehen nicht für ein paar Stunden am Tag zur Arbeit  und fahren schon gar nicht für ein paar Wochen in Urlaub. Mit diesen Abwesenheite kommen gerade die handaufgezogenen Papageien emotional einfach nicht klar. Das sind dann die Kandidaten für Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Schreien oder Beißen.

Gerade deshalb hat mich die Reaktion der Tierärztin bei längerem Nachdenken auch etwas traurig gemacht. Offensichtlich haben doch sehr viele Papageienhalter immer noch völlig falsche Vorstellungen davon, was für einen Unterschied es macht, ob ein Vogel von Hand oder von seinen Eltern aufgezogen wurde.

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