Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Papageien in der Küche

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In dem Artikel über Teflon-Dämpfe habe ich ja schon kurz erwähnt, wie ich zum Thema Papageien in der Küche stehe. Doch etwas mehr gibt es darüber schon zu sagen. Wie so vieles hat auch der Aufenthalt von Papageien in der Küche zwei Seiten. Einerseits ist die Küche für die Krummschnäbel sehr attraktiv, andererseits birgt sie auch viele Gefahren. Mit ein paar grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen kann man jedoch den Vögeln gefahrlos die Mitarbeit in der Küche ermöglichen.

Die Küche ist interessant für Papageien

Die Küche ist der Raum in dem das Essen aufbewahrt, zubereitet und oft auch gegessen wird. In vielen Familien ist sie ein zentraler Raum der Wohnung, in dem sich ein großer Teil des Lebens abspielt. Es ist verständlich, dass dieser Raum für Papageien als Schwarmvögel eine große Anziehungskraft ausübt. Schließlich halten sich die Menschen dort viel auf und tun auch noch interessante Dinge. Nicht zu verachten ist aus Papageiensicht bestimmt auch die Tatsache, dass man dort viele Leckerbissen erhaschen kann.

Ich finde es grundsätzlich positiv, wenn die Krummschnäbel an diesen wichtigen Aktivitäten der menschlichen Schwarmmitglieder teilnehmen können. Man verbringt ja z.T. recht viel Zeit mit der Zubereitung der Speisen. Diese Zeit gleichzeitig mit den Vögeln zu verbringen und ihnen etwas Unterhaltung zu bieten ist eine tolle Sache. Möglicherweise kann man die Papageien so auch dazu bringen, sich ein paar gesunde Leckerbissen zu „stibitzen“, die sie im Futternapf verschmähen würden. Unsere Nicki hat ihre Küchenausflüge auch gern für ein Bad im Spülbecken genutzt. Gut, das ist vielleicht nicht so optimal, wenn man pünktlich das Essen auf den Tisch bringen will, doch was soll’s – der Vogel hat immerhin gebadet.

Meine Papageien waren in der Küche immer mit großer Begeisterung dabei. Sie durften auf der Arbeitsplatte herumlaufen und aus nächster Nähe beobachten, was ich da so anstelle. Dort kann man

  • Leckerbissen abstauben
  • Das Essen vorkosten
  • Lebensmittel in winzige Stücke zerlegen
  • Mit dem Geschirr herumklappern
  • Die Teelöffel aus der Schublade holen und auf den Boden werfen
  • So interessante Gegenstände wie ein Sieb untersuchen
  • Und vieles mehr

Oft habe ich auch gelesen, dass Papageien gern in die Küchenschränke klettern und darin einfach entspannt sitzen oder auf Entdeckungstour gehen.

Graupapagei trinkt in der Küche aus dem Wasserhahn

In der Küche kann man auch prima direkt aus dem Wasserhahn trinken

Wir arbeiten ja beide Vollzeit. Gerade weil ich den Tag über nicht zu Hause bin habe ich es umso mehr genossen, notwendige Arbeiten und Zeit für die Papageien miteinander zu verbinden.

Ein paar Worte zur Hygiene

Es ist sicher nicht jedermanns Sache, Haustiere und das eigene Essen so eng beieinander zu sehen. Da muss jeder selbst entscheiden, wo seine persönliche Grenze liegt. Auch bei uns war es so, dass die Vögel nicht quer durch’s Essen laufen durften. Meist habe ich ihnen gleich ein extra Stück Gurke o.ä. hingehalten. Sie durften sich auch eine Scheibe vom Teller angeln. Die blieb dann allerdings bei den Papageien und wanderte nicht wieder zurück auf den Teller von dem wir Menschen noch essen wollten. Bespielte Besteckteile wanderten in den Geschirrspüler und nicht zurück in die Schublade. Für uns war das so in Ordnung. Wenn Besuch kam, habe ich die Papageien nicht in die Küche gelassen. Ich kann schließlich nicht erwarten, dass jeder meine persönlichen Hygienestandards teilt.

Die Küche ist gefährlich für Papageien

Bei aller Begeisterung ist die Küche für Papageien auch ein Ort  voller Gefahren:

  • Auch ein geschickter Flieger kann gelegentlich eine Bruchlandung hinlegen. In der Küche bestehen dabei zusätzliche Gefahren.
  • Heiße Herdplatten, Gasflammen oder Töpfe voll heißer Lebensmittel können zu schweren Verbrennungen führen. Das gilt auch für spritzendes Bratenfett.
  • Auch andere Küchengeräte wie Toaster oder Kaffeeautomaten können an manchen Stellen sehr heiß werden.
  • Viele Nahrungsmittel sind fettig oder klebrig. Kommen sie mit dem Gefieder in Kontakt, können sie die Federn verkleben. Die Reinigung ist dann meist schwierig und für alle Beteiligten unangenehm.
  • Es liegen oft spitze oder scharfkantige Gegenstände wie Messer oder Raspeln herum.
  • Nicht alle Lebensmittel sind für Papageien geeignet. Manche wie Avocados sind sogar giftig. Bei anderen muss man zumindest darauf achten, dass nicht mehr als gelegentlich ein kleines Häppchen aufgenommen wird.
  • In der Küche stehen oft auch Putz- und Reinigungsmittel, die bei Verzehr ebenfalls zu schweren Vergiftungen oder Verätzungen führen können.
  • Für kleinere Arten besteht auch das Risiko, in einem gefüllten Spülbecken oder großen Topf zu ertrinken.
  • Viele elektrische Küchengeräte stecken dauerhaft in der Steckdose, oft sogar auf Standby. Hier besteht – wie in allen anderen Räumen auch – die Gefahr des Benagens der Stromkabel.
  • Die Gefahr durch Teflondämpfe sollte bekannt sein.
  • Beim kochen entstehen Speisedämpfe. Diese dürften in den meisten Fällen nicht direkt giftig sein. Doch das Atmungssystem von Papageien ist wesentlich empfindlicher als unseres. Viele Vögel sind bereits durch Aspergillose vorgeschädigt. Ich persönlich würde es nicht riskieren, die Vögel regelmäßig solchen Dämpfen auszusetzen.
  • Beim Kochen wird oft gelüftet. Ist das Fenster nicht abgesichert besteht die Gefahr des Davonfliegens.

Was man auch nicht vergessen darf: Man kann nie so dumm denken wie es dann kommt. Auch wenn man glaubt, aller Gefahrenquellen bedacht zu haben, so werden findige Papageien immer noch eine weitere Möglichkeit entdecken, sich in Gefahr zu bringen.

Geeignete Vorsichtsmaßnahmen

Mit etwas Umsicht und Vorsicht ist es problemlos möglich, Papageien trotz dieser Gefahren einen regelmäßigen Küchenaufenthalt zu ermöglichen. So lief es bei uns:

  • Die Papageien durften nur in die Küche, wenn nicht gekocht, abgewaschen oder mit heißen Speisen hantiert wurde.
  • Es gab erlaubte und verbotene Sitzplätze. An den erlaubten Sitzplätzen standen keine elektrischen Geräte.
  • Selbst wenn der Herd immer aus war – die Papageien hatten absolutes Herdverbot. Sie durften nie, nie, nie über die Herdfläche laufen. Das hat bei uns meist sehr gut funktioniert. Notfalls wurde der Zugang zum Herd mit dem Obstkorb und dem Brottopf verbaut.
  • Putzmittel standen immer im Schrank.
  • Ich habe mir angewöhnt, mein Messer immer außerhalb der Reichweite der Papageien abzulegen. Bei mir war das auf der anderen Seite des Spülbeckens.
  • Die Papageien blieben nie lange unbeaufsichtigt in der Küche. Natürlich habe auch ich mal schnell die Teller ins Wohnzimmer gebracht. Das war’s dann aber auch schon.

Daneben gilt einfach: aufpassen, aufpassen, aufpassen.

An dieser Stelle muß ich einschränken, dass sich diese Vorsichtsmaßnahmen bei uns so gut umsetzen ließen, weil wir eine separate Küche mit Tür haben. Heute sind ja offene Küchen sehr modern. Da stelle ich es mir wesentlich schwieriger vor, den Papageien beim Kochen konsequent den Zugang zur Küche zu verwehren. Ich würde mich freuen, wenn dazu jemand seine Erfahrungen über die Kommentarfunktion oder einen Gastartikel mit uns teilen würde. Also: Wie lebt es sich mit Papageien in einer offenen Küche oder Wohnküche?

Einen netten Nebeneffekt hatte diese konsequenten Vorsichtsmaßnahmen übrigens: Meine Kinder durften beide, kaum dass sie sitzen konnten, auf dem Küchentisch mit beim Essen machen „helfen“. Da war ich schon richtig gut trainiert. Messer außer Reichweite legen und Zugang zum Herd verbauen war mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen.

Zwei Graupapageien in der Küche

Nicki hat ein Spielzeug gefunden – Eddie inspiziert das Gemüsefach

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