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Papageien-News – Über frei lebende Papageien in Deutschland

| 2 Kommentare

In Deutschland leben mittlerweile mehrere stabile Populationen an Papageien in freier Natur – bzw. meist in freier Stadt. Ich finde das Thema sehr interessant, zeigt es doch die besondere Anpassungsfähigkeit der Papageien. Außerdem kann man von diesen Neozoen viel über die natürlichen Verhaltensweisen der Krummschnäbel lernen. Das ist immer eine gute Grundlage, um unsere Wohnungspapageien besser zu verstehen und ihnen das Leben so artgerecht wie nur möglich zu machen.

Deshalb habe ich heute für Euch zwei nicht mehr ganz frische, aber recht interessante Pressemeldungen für Euch. Erfreulicherweise geht es in beiden Beiträgen nicht nur um putzige Vögel, vollgekotete Parkbänke und die – je nach Sichtweise – bestehende Gefahr für heimische Vogelarten. Selbst Deutschlands größte Boulevardzeitung hat es geschafft, jemanden zu befragen, der sich mit den frei lebenden Papageien auskennt:


 

Nachtrag und Hinweis:

Inzwischen gibt es auch in meinem Heimatort Rüsselsheim eine kleine, aber stabile Population an Halsbandsittichen. Im Frühjahr 2016 konnte ich sie erstmals bei der Brut beobachten. Meine Berichte über die Rüsselsheimer Halsbandsittiche könnt Ihr hier nachlesen.


 

Die BILD-Regionalausgabe Düsseldorf/Köln vermeldete Ende November 2014 „Guck mal! Kö-Papageien pendeln nach Köln“. Zuerst kommt man doch nicht um die Aussage herum, dass die Halsbandsittiche in Düsseldorf „die Sitzbänke am Kö-Graben vollschei…“.

Doch inzwischen werden sie auch im Kölner Volkspark gesichtet. Ein Experte vom Düsseldorfer Grünflächenamt erklärt der BILD, dass dies Tagesausflügler sind. Demnach hat das Revier der Halsbandsittiche mittlerweile beachtliche Ausmaße angenommen und erstreckt sich bis nach Krefeld, Grevenbroich, Neuss und eben den Kölner Norden. Die Vögle legen pro Strecke bis zu 25 km zurück.

Schön dass uns an dieser Stelle so ganz nebenbei mal wieder vor Augen geführt wird, für welche enormen Flugleistungen Papageien von der Natur ausgelegt sind. Ein Vogel, dessen Gesamtlänge einschließlich Schwanz rund 40 cm beträgt, fliegt in einer Strecke (nicht pro Tag!) 25 km. Das ist das 62.500fache seiner Körperlänge. Umgerechnet auf einen 1,70 m großen Menschen wären das über 100 km. Gut, der Vergleich hinkt. Aber habt Ihr mal geschätzt, wieviele Meter Eure Wohnungspapageien so am Tag zurücklegen? Bei unseren würde ich mal ganz grob schätzen, dass da vielleicht ein guter Kilometer am Tag zusammenkommt. An ruhigen Tagen auch weniger.

Im zweiten Beitrag aus der Südwestpresse geht es um frei lebende Gelbkopfamazonen in Stuttgart. Auch hier wurde erfreulicherweise jemand befragt, der sich auskennt – in diesem Fall der Vogelkurator der Stuttgarter Wilhelma und ein Ornithologe, der die Amazonen seit Jahren erforscht. So erfährt auch der Laie, was für uns Papageienhalter Allgemeinwissen ist: Die Schreie morgens und abends dienen der Verständigung im Schwarm.

Weiterhin gibt es ein paar Hinweise zum Überleben dieser Exoten in unseren Breiten:

  • Die große Artenvielfalt in den Stuttgarter Parks bietet ganzjährig ausreichende Nahrung
  • Kälte macht den aus Mexiko stammenden Gelbkopfamazonen weniger aus als Nässe. Auch in ihrer Heimat kann es im Winter kalt werden. Nur bei starkem Frost gibt es schon mal abgefrorene Zehenglieder.
  • Außerdem suchen sich die Papageien im Winter bevorzugt geschützte Plätze in der Nähe wärmender Gebäude oder in windgeschützten Häuserschluchten.

Was auch mir neu war: „Da die Gelbkopfamazonen seit mehr als 25 Jahren in Stuttgart leben, gelten sie als einheimische Vogelart.“

Ich finde es jedenfalls toll, dass sich die Papageienpopulationen in Deutschland so stabilisiert haben. Bei jedem Ausflug nach Wiesbaden freue ich mich über die charakteristischen Rufe der dortigen Halsbandsittiche. Und auch von unserem Rüsselsheimer Pärchen habe ich zumindest einen kürzlich wieder gesehen – als ich mit den Kindern nach Weihnachten am Maindamm rodeln war.

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2 Kommentare

  1. Am 08.06.15 wurde ich am HBF Düsseldorf auf einen Papagei (Sittich?) aufmerksam,
    den ich nie zuvor sah. Halsbandsittiche sind hier sehr häufig und ich erkenne sie
    insbesondere an ihren Farben und an ihren Lautäußerungen.

    Den eingangs erwähnte Vogel konnte ich wegen der Sonneneinstrahlung nicht gut
    sehen. Er ist etwa so groß wie ein Halsbandsittich, hat aber einen deutlich kürzeren
    Schwanz. Farbe? Sehr dunkel, anthrazit mit helleren, aber nicht sehr auffälligen
    helleren Federn am Flügel. Ich dachte erst, daß es eine der hiesigen (übrigens
    sehr hübschen dunkelgrauen Tauben ist, aber dann konnte ich sein Profil sehen
    und einen kleinen, aber typischen Papageien- bzw. Sittichschnabel.

    Aufmerksam wurde ich durch sein Rufen, sehr laut mit klarer Stimme, als wenn jemand mit einer Pfeife pfeift, er wurde auch teilweise leiser, murmelte sozusagen
    etwas.

    Als ich unter ihm stand und ich ihn ansprach (er saß ca. drei m über mir in einer
    Platane), schaute er interessiert. Als ich spontan eine Hand hob und den Zeige-
    finger ausstreckte, damit er dort landen kann, wenn er will, zuckte er zurück. Ich
    hatte den Eindruck, daß Menschen ihm vertraut sind.

    Was für ein Vogel könnte es gewesen sein? Foto war wegen des Gegenlichts
    leider nicht möglich.

    Mit freundlichen Grüßen

    Vipere

  2. Hallo Vipere,

    danke dass Du Deine Beobachtung hier mit uns teilst.

    Vom Verhalten des Vogels her würde ich vorsichtig auf einen Gefangenschaftsflüchtling tippen.
    Wohnungspapageien sind übrigens oft ungeübt darin, nach unten zu fliegen. Wenn man ihnen einen Landeplatz anbieten möchte sollte man sich so hinstellen, dass der Vogel in einem ca. 45° Winkel nach unten fliegen kann.

    Was das für eine Art sein könnte, da bin ich auch überfragt. Gerade im Gegenlicht kann man die Farben kaum verlässlich ausmachen.

    Wenn Du weiter nachforschen möchtest, kannst Du vielleicht Kontakt zu Detlev Franz aufnehmen (http://halsbandsittiche.papageien.org/), der besonders die Wiesbadener Papageien sehr genau verfolgt und auch die anderen Populationen in Deutschland im Blick behält.

    Melde Dich mal, falls Du noch etwas herausfindest oder den Kleinen noch einmal siehst.

    Grüße
    Dagmar

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