Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Nach dem putzen ist vor dem Putzen – Teil 1: Sind Papageien wirklich unsauber?

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Papageien in Wohnungen sind Dreckschleudern. Wirklich. Auf den üblichen Papageienfotos sieht man wunderschöne Tiere mit einem blitzsauberen, leuchtend bunten Gefieder. Die Umgebung ist meist in milde Unschärfe getaucht. Doch jeder Papageienhalter weiß, dass dieses schöne Bild trügt. Das Einzige was Papageien offensichtlich sauber halten sind sie selbst. Über alles andere möchte man am liebsten den Mantel des Schweigens decken.

Als Halter dieser wunderschönen Tiere weiß man, dass man sich ein unendliches Arbeitsbeschaffungsprogramm für Putztätigkeiten ins Haus geholt hat. In dieser kleinen Artikelserie wird aufgedeckt, womit es Papageienhalter regelmäßig zu tun haben.

In Teil 1 geht es um die Verhaltensweisen von Papageien in ihrem natürlichen Lebensraum. Was in der freien Natur perfekt funktioniert und niemanden stört führt in unseren Wohnungen zu einem handfesten Verschmutzungsproblem.

In Teil 2 geht es zur Sache: Welcher Dreck fällt an und wie wird man ihn wieder los? Natürlich gibt es dort auch wieder Praxiserfahrungen und Tipps.

In Teil 3 stelle ich die regelmäßigen Putzaktionen in einem Papageienhaushalt vor. Ich erkläre, welche Tätigkeiten bei uns in welchem Rhythmus anfielen.

Sind Papageien wirklich so unsauber?

Gut, ich habe oben etwas übertrieben. Eigentlich sind Papageien ziemlich reinlich. Aber ihre angeborene Reinlichkeit ist auf ein Leben in freier Natur abgestellt. Dort verteilt sich jeglicher Dreck auf die riesige Umgebung und stört keinen. Leider kollidieren diese natürlichen Verhaltensweisen mit der menschlichen Wohnumgebung und der menschlichen Vorstellung von Sauberkeit.

Gefiederpflege

Dass Papageien sich selbst absolut sauber halten, steht außer Zweifel. Das Gefieder wird mehrmals am Tag mit dem Schnabel gründlich gereinigt und geglättet. Das ist lebensnotwendig, denn nur ein ordentliches Gefieder taugt zum Fliegen und zur Temperaturregelung.

Das kleinste Problem dabei sind herausfallende Federn aller Größen. Wenn nicht gerade Mauser ist, hält sich ihre Zahl in Grenzen und die Verschmutzung auch. Allerdings haben diese Federn die Angewohnheit, sich in allen möglichen Ecken zu verkriechen. Rückt man nach Jahren mal ein Möbelstück von der Wand ab, findet man dahinter oft genügend Federn, um einen Papageien komplett neu einzukleiden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der feine von den Puderdunen abgesonderte Papageienstaub. Überschüssiger Puder fliegt dabei einfach in die Luft. So leicht wie er ist, verteilt er sich unweigerlich überall.

Was in der Natur nicht mal auffällt, wird in einer Wohnung zu einem unübersehbaren Problem. Eine Schicht aus feinem weißem Puder bedeckt wirklich alles – Möbel, Wände, Einrichtungsgegenstände. Der Puder kriecht in alle Ritzen und Spalten. Das ist in mehrerer Hinsicht unschön:

  • Rein optisch ist der weiße Film keine Zierde
  • Außerdem überträgt er sich – einmal kurz die Wand gestreift und man hat einen weißen Ärmel
    (Man selbst kann damit vielleicht noch leben. Doch wenn Gäste oder Handwerker erstaunt auf ihre weiß gepuderte Kleidung schauen ist es nur noch peinlich.)
  • Manche Menschen reagieren darauf allergisch
  • Auch manche elektrische Geräte reagieren sensibel.
    Unvergessen ist unser völlig zugestaubter CD-ROM-Brenner. Den mussten wir ersetzen. Und zwar zu Zeiten als diese Geräte noch richtig teuer waren.

Schnabelpflege

Nach jeder Mahlzeit säubern Papageien ihren Schnabel gründlich. Meist erfolgt das durch reiben am Sitzast. In der Natur stört das nicht. Der Vogel sitzt vermutlich bei jeder Mahlzeit wo anders; nirgendwo klebt so richtig viel und der nächste Regen spült das Meiste wieder ab. Der Rest verrottet irgendwann.

In der Wohnung kann man von Glück sagen, wenn der Schnabel nur an der Sitzstange gesäubert wird. Die muss dann allerdings in Abständen geschrubbt werden. Leider kommen gerade nach einem Snack am Menschentisch auch alle anderen Sitzgelegenheiten dafür zum Einsatz. So findet man Futterreste häufig an Stuhl- und Sofalehnen und an der menschlichen Schulter.

Dazu kommt die Angewohnheit vieler Papageien, feuchte Futterreste auch mal durch ein kräftiges Kopfschütteln loszuwerden. Man staunt immer wieder, wie weit so ein Rest Weintraube fliegen kann. Feucht wie er ist, bleibt er an seinem Landeort kleben. Auch das stört im Urwald niemanden. In einer Wohnung sind angetrocknete Obstreste weder ästhetisch noch hygienisch.

Man kann sich leicht vorstellen, was dieser Schnabel und dieser Fuß später für Spuren hinterlassen:

Papageien und Sauberkeit: Nicki mit Kirsche

Nicki mit einer blutrotenSüßkirsche – Sauberkeit geht anders

Reinlichkeit in der Nisthöhle

Auch wenn es in einer Wohnung nicht danach aussieht – Papageien halten ihren unmittelbaren Wohnbereich tatsächlich sauber. Sauberkeit und Hygiene sind für den empfindlichen Nachwuchs sehr wichtig. Aus der Nisthöhle wird Schmutz sorgsam herausgeräumt – und vor der Tür fallen gelassen. Im Urwald fällt dieser Schmutz ziemlich tief nach unten. Dort verrottet er und wird zu neuem fruchtbaren Boden.

In einer Wohnung passt dieser tolle Mechanismus nicht so gut, da wir ja keinen Humus-Bodenbelag züchten wollen. Die Papageien wissen das nicht und üben diese Tätigkeit fleißig weiter aus. Die Umgebung des Futterplatzes sah bei uns immer aus, als ob unsere Krummschnäbel für die Europameisterschaft im Obstweitwurf trainieren. Es gab also kontinuierlich Nachschub an Putzarbeit.

Papageien koten außerdem nicht ihre Nisthöhle voll. Dieses Verhalten konnten wir teilweise auch beobachten. Eine Zeitlang hatten unsere Vögel tatsächlich bestimmte Stellen, die sie gezielt zum Kot absetzen aufsuchten. Das war sehr praktisch. Wir haben diese Stellen mit Zeitungen ausgelegt und der Rest des Wohnbereichs war einigermaßen sicher.

Zeitweise haben unsere Papageien auch morgens gezielt ihren Schlafplatz verlassen, um den großen Morgenhaufen wo anders fallen zu lassen. Die Idee war gut, die praktische Umsetzung leider nicht ganz so: Sie kletterten von ihrer Schlafstange aus dem Bauer heraus auf das Bauerdach und erleichterten sich dort. Die ganze riesige Ladung ergoss sich von oben bis unten über alle Querstreben! Da hätte ich den Haufen lieber im Bauer gehabt. Dort lag eine Zeitung, die schnell gewechselt war.

Gut, wir waren auch darauf vorbereitet. Eine Küchenrolle stand immer in Griffweite. Wenn man die Kothaufen wegwischt bevor sie antrocknen, geht das auch ganz leicht. Allerdings blieb der Umgang mit dieser Riesenladung morgens auf nüchternen Magen doch etwas gewöhnungsbedürftig. Es war jedenfalls nicht die schönste Seite der Papageienhaltung.

Nagetrieb

Papageien sind für ihren ausgeprägten Nagetrieb bekannt. In Freiheit nagen Papageien, um an das Innere hartschaliger Früchte, Nüsse oder Sämereien zu kommen, um ihre Nisthöhle auszubauen und um den Schnabel in Form zu halten. Auch hier wieder – die Überreste fallen nach unten, verteilen sich, verrotten und stören nicht.

Doch auch Nagereste wie Holzspäne und Papierschnipsel sind in einer Wohnung einfach Dreck, der weggeräumt werden muss. Wobei diese Art von Dreck noch vergleichsweise harmlos ist. Holzspäne kleben nicht und lassen sich recht leicht aufkehren.

Papageien brauchen Sauberkeit

Man sieht schnell, dass Papageien eigentlich auf eine saubere Umgebung ausgelegt sind. Körper und Nisthöhle werden sauber gehalten. Verschmutzungen verteilen sich durch den großen Aktionsradius in freier Natur auf ein riesiges Gebiet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Vogel zum Abendessen in seinem Dreck vom Frühstück sitzt, ist ziemlich gering.

Daraus kann man schlussfolgern, dass das Immunsystem der Papageien gar nicht darauf eingerichtet ist, mit großen Mengen Schmutz klarzukommen. Die Wohnungshaltung in unseren Breiten belastet das Immunsystem der Vögel jedoch ohnehin: Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind selten durchgängig optimal, das Futterangebot richtet sich nach dem heimischen Handel und nicht nach dem natürlichen Lebensraum und die körperliche Fitness leidet unter dem begrenzten Platzangebot in Wohnungen.

Umso wichtiger ist es, den Vögeln in Gefangenschaft eine stets saubere Umgebung bereitzustellen.

Fazit

Papageien sind überhaupt nicht unsauber. Ihre völlig normalen Hinterlassenschaften passen nur nicht gut in menschliche Wohnungen. Dort mag man nicht warten, bis Obstreste verrottet sind. Außerdem sorgen die Wände dafür, dass sich der Dreck nicht weit verteilen und so auf ein erträgliches Maß „verdünnen“ kann.

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