Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Graupapagei sitzt auf Sisalring

Käfig, Zimmervoliere oder Papageienzimmer – Welchen Wohnraum benötigen meine Papageien?

| 1 Kommentar

Wer Papageien hält, steht immer auch vor der Frage, wie er seine Vögel unterbringt. Die Entscheidung zwischen Papageienkäfig, Zimmervoliere oder einem ganzen Zimmer ist eine Abwägung zwischen den Bedürfnissen der Papageienart und den eigenen Möglichkeiten – räumlich und finanziell.

Eigentlich kann dies der kürzeste Post dieses Blogs werden: Den Papageien sollte immer so viel Platz gegönnt werden, wie nur irgend möglich! Wenn Du also Platz für ein Papageienzimmer hast, dann empfehle ich Dir, diesen auch zu nutzen. Punkt. Gut, etwas mehr kann man dazu schon sagen. Erstmal zur Einführung:

Warum sollten Papageien so viel Platz wie möglich bekommen?

Hier gibt wieder ein Blick auf das Leben der Papageien in ihrem natürlichen Lebensraum Aufschluss: Auf der Suche nach Nahrung, Wasser und einem sicheren Schlafplatz für die Nacht legen die meisten Papageienarten täglich große Strecken zurück. Selbst von den in Deutschland heimisch gewordenen Halsbandsittichen wird berichtet, dass sie pro Strecke (nicht pro Tag!) bis zum 25 km zurücklegen. Dagegen ist selbst die geräumigste Wohnung winzig.

Für solche Flugleistungen sind die Körper der Papageien ausgelegt. Wir kennen das von uns Menschen: Muskeln, Knochen und Gelenke müssen bewegt werden, sonst nehmen sie auf Dauer Schaden. Bei den Papageien ist das nicht anders. Allein schon für ihre körperliche Gesundheit sind ausreichende Bewegungsmöglichkeiten notwendig.

Dazu kommt noch das seelische Wohlbefinden. Je kleiner die Behausung, desto geringer sind natürlich auch die Beschäftigungsmöglichkeiten. Langeweile kann bei den neugierigen und aktiven Papageienvögeln schnell zu Verhaltensproblemen aller Art führen.

Auf der leider inzwischen nicht mehr online verfügbaren Webseite Radikal Kakadu gab es diesen wunderbaren Vergleich: Wenn man einen Papagei in einem Käfig leben lässt, ist das, als müsste man als Mensch sein Leben in einem Raum von der Größe eines Gäste-WCs verbringen. Als einzige Unterhaltung gibt es ab und an mal eine BILD-Zeitung.

Für mich ist damit ganz klar, dass Käfighaltung für Papageien nur in begründeten Ausnahmefällen in Frage kommt.

Gesetzliche Anforderungen an die Mindestflächen zur Haltung von Papageien

An dieser Stelle möchte ich auch auf die „Mindestanforderungen an die Haltung von Vögeln“ verweisen. Diese werden im Internet recht häufig zitiert. Für ein Paar Graupapageien wird mit Verweis auf diese „Mindestanforderungen“ z.B. regelmäßig eine Mindestgröße des Käfigs bzw. der Voliere von

Länge x Breite x Höhe in m:            2,0 x 1,0 x 1,0

angegeben. Diese Werte habe ich auch gefunden, z.B. hier in einem Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln vom 10. Januar 1995.

Mindesthaltungsbedingungen für Papageien - Fläche

Mindestflächen für die die Haltung von Papageien in Deutschland

Quelle Screenshot https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungPapageien.pdf?__blob=publicationFile

Bei unseren österreichischen Nachbarn sieht das etwas anders aus. Dort ist sind die Abmaße von 2x1x1 m nur zulässig bis zu einer Gesamtlänge des Vogels von 25 cm. Dem Graupapagei mit gut 30 cm würde demnach zustehen

Länge x Breite x Höhe in m:            3,0 x 2,0 x 2,0

Mindesthaltungsbedingungen Papageien Österreich

Vorschriften zu Mindestflächen für Papageien in Österreich

Quelle Screenshot https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003860

Einen Käfig dieser Größe habe ich noch nie gesehen. Das fällt für mich bereits unter Voliere.

Käfige, Zimmervolieren und Papageienzimmer im Detail

Papageienkäfig – zu klein für die dauerhafte haltung, aber manchmal doch nützlich

Im Handel werden trotzdem immer noch Papageienkäfige angeboten. Ich gebe zu, dass die Grenze zwischen „Käfig“ und „Zimmervoliere“ wohl recht fließend ist. Es wird da sicher auch die Bezeichnung gewählt, von der man hofft, dass sie die meisten Käufer anspricht.

Für mich besteht der Unterschied zwischen Käfig und Voliere darin, dass der Käfig bis zu einem gewissen Grad mobil ist. Viele Käfige haben Rollen, so dass man sie herumschieben kann. Eine Zimmervoliere trägt oder schiebt man meist nicht mehr durch die Gegend.

Schon aus den Erläuterungen oben zu einer artgerechten Papageienhaltung ergibt sich für mich, dass ein klassischer Käfig allenfalls für kleinere Papageienarten überhaupt in Frage kommt. Etwa ab der Größe eines Graupapageis sind typische Papageienkäfige meines Erachtens viel zu klein. Das können auch zwei Stunden Freiflug am Tag nicht ausgleichen. (Erinnere Dich bitte an den Vergleich mit dem Gäste-WC. Das wäre Dir auch dann noch zu klein, wenn Du täglich für zwei Stunden im Rest der Wohnung herumlaufen dürftest.)

Es gibt allerdings ein paar Situationen, in denen auch ein Papageienkäfig sinnvoll zum Einsatz kommen kann – allerdings nur zeitweise:

  • Als Transportkäfig und vorübergehendes Urlaubsdomizil (mehr dazu in diesem Beitrag)
    Papageienkäfig als Transportkäfig
  • Zur Quarantäne von Neuankömmlingen oder Isolation erkrankter und ruhebedürftiger Tiere
  • Für „Freigänge“ in den Garten oder auf die Terrasse.
    Das handhaben die neuen Besitzer von Eddie so. Für ihre zwei Papageienpaare haben sie zwei Käfige von weniger als 1 m Kantenlänge. Dort lassen sich die Vögel freiwillig hineinsetzen und können so zusammen mit ihrem menschlichen Schwarm ein Stündchen auf der Terrasse verbringen.
    Dieser Zeitraum schadet keinem Papageien. Dafür gibt es so die Chance auf ein Sonnenbad (Achtung: Rückzug in eine schattige Ecke ermöglichen) oder eine Dusche im Regen.
  • Als „Möbelstück“ im Papageienzimmer.
    Unser alter Papageienkäfig blieb einfach im Papageienzimmer stehen. Er diente dort als Sitz-, Kletter-, Schlaf- und Futterplatz. Nach einem Umzug war er gleichzeitig vertrauter Fixpunkt in dem sonst ungewohnten Zimmer.
    (Achtung: erhöhter Putzaufwand – mehr dazu unten)

Zimmervolieren als Wohnraum für Papageien

Die bessere Wahl ist da schon eine Zimmervoliere. Sie bietet den Papageien deutlich mehr Platz als ein noch so geräumiger Käfig. Die Vögel haben ihr Revier für sich und können trotzdem am Leben ihrer Familie teilnehmen.

Dennoch: auch auf 2 Quadratmetern Grundfläche kann ein Papagei nicht besonders viel fliegen. Etwas Inventar wie Sitzäste und Spielzeug gibt es ja auch noch. Wahrscheinlich wird er dort viel klettern und zwischendurch mal kurze Strecken flattern. Regelmäßiger und ausgiebiger Freiflug ist trotzdem Pflicht.

Außerdem muss man bedenken, dass eine hohe Voliere zwar mehr Platz zum Klettern bietet, flugtechnisch aber nicht viel bringt. Papageien sind nun einmal keine Helikopter. Sie brauchen lange Strecken zum Fliegen.

Zimmervolieren sind in der Anschaffung recht teuer. Wer handwerklich geschickt ist, kann die Kosten durch Selbstbau aus Volierendraht und Kantblechen etwas senken. Anleitungen finden sich genug im Internet.

Der Vorteil gegenüber einem Käfig besteht auch darin, dass man bei Größe, Form und Material nicht auf die Auswahl des Fachhandels angewiesen ist. Viele Volierenbauer fertigen auch Einzelstücke nach individuellen Vorgaben an.

Papageienzimmer – Vorteile für Vögel und Menschen

Wer bis hierher gelesen hat kann sich schon denken, dass dies meine klare Empfehlung ist. Wenn irgend möglich sollte man den Papageien ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen. Dort haben sie nicht nur viel Platz zum Fliegen und Klettern – man kann auch mit Schaukeln, Kletterbäumen, Ästen usw. für weitere Abwechslung und Bewegung sorgen.

Ringe als Papageienspielzeug

Viel Platz und geeignetes Inventar in unserem Papageienzimmer – im Hintergrund der stets offene Käfig als Schlaf- und Futterplatz

Falls Du noch mehr Argumente benötigst: Ein Papageienzimmer hat auch für den Menschen viele Vorteile:

  • Der Schmutz und der Nagetrieb der Papageien konzentrieren sich auf ein Zimmer, das speziell dafür eingerichtet ist. Das schont den Rest der Wohnung enorm.
  • Menschen und Vögel können sich auch einmal voneinander zurückziehen. Späte Gäste und Feiern im Wohnzimmer stressen die Papageien weit weniger, wenn sie nicht alles von ihrer Voliere im gleichen Raum aus miterleben müssen. Als Mensch möchte man sicher auch einmal konzentriert arbeiten (oder einfach nur fernsehen) ohne dass jedes Geschehen von den Papageien kommentiert wird.
  • Man erspart sich Anschaffung oder Bau einer Voliere, die vielleicht nach dem nächsten Umzug nicht mehr in den Wohnraum passt.
  • Man kann die eigenen Wohnräume problemlos und lange lüften, wenn die Vögel in ihrem eigenen Zimmer sind. Zugluft ist kein Problem und man muss nicht das Wohnzimmerfenster durch irgendwelche Schutzkonstruktionen „verschönern“.
  • Ein Papageienzimmer kann so eingerichtet werden, dass es leicht zu reinigen ist (z.B. abwaschbare Wände und Böden). Jede Voliere und jeder Käfig hat Gitter, an denen immer Kot, Futterreste und Feder kleben. Den Zeitaufwand für die Reinigung des Volierengitters kann man sich in einem Papageienzimmer ersparen.
  • Man muss nicht zwingend jeden Tag für Freiflug in der ganzen Wohnung sorgen. Die Papageien haben in ihrem Zimmer genug Flugmöglichkeiten. Das erleichtert z.B. die Urlaubsbetreuung. Von welchem Betreuer kann man schon verlangen, dass er die Papageien täglich aus der Voliere lässt, sie über einen gewissen Zeitraum beaufsichtigt und dann wieder zurück in die Voliere befördert?

Das Papageienzimmer muss nicht unbedingt ein echtes Zimmer sein. Auch ein ausgebauter Dachboden ist eine Möglichkeit. Selbst ein Kellerraum ist geeignet, wenn man für eine ausreichende Beleuchtung mit Tageslichtröhren sorgt. Das muss man aber meist auch in anderen Räumen.

Selbstverständlich sollten die Fenster im Papageienzimmer auf geeignete Weise gesichert werden. So kann man lüften, ohne dass die gefiederten Bewohner versehentlich flüchten. Hier habe ich beschrieben wie wir das mit wenig Aufwand für unsere Dachfenster gelöst haben.

Mein Fazit zur Unterbringung der Papageien in Wohnungen

Für mich ist es ganz klar: Wenn irgend möglich sollten die Papageien ein eigenes Zimmer bekommen. Dort haben sie den meisten Platz für Flug und Bewegung. Außerdem habe ich die klare Trennung der Lebensbereiche von Mensch und Vogel als sehr vorteilhaft empfunden.

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Ein Kommentar

  1. Wurde gerade hier rüberverlinkt, weil ich mich grad eben ganz ähnlich zum Thema „Käfig als Möbelstück“ geäußert habe und das jemand witzig fand.
    Wir halten unsere „Kleinen“ in einem Vogelzimmer. Die Grauen haben mit Rückzugsoption freien Zugang zu einem Bereich des Hauses, der entsprechend eingerichtet/gesichert ist. Unser Wohnzimmer geht in der Höhe über 2 Stockwerke, diese Gelegenheit wollten wir ihnen nicht nehmen.
    Ich kann auch nur sagen, ein Papagei im Käfig (außer in Ausnahmesituationen wie oben genannt) und auch in vielen Volieren ist einfach eine traurige Sache.

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