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Ein Papageientagebuch führen? Warum und Wie?

| 1 Kommentar

Papageien sind ein spannendes Hobby und immer für eine Überraschung gut. Aber sie sind auch ein arbeitsintensives Hobby. Warum sollte man sich dann noch die Mühe machen und Tagebuch über seine Papageien führen?

Ganz klar, weil so ein Papageientagebuch irgendwann zu einer tollen Erinnerung wird. Daneben kann es aber auch eine nützliche Beobachtungshilfe zu Verhalten, Befindlichkeit und Entwicklung unserer gefie­derten Mitbewohner werden. Und es gibt Menschen wie mich, denen das einfach Spaß macht.

Doch der Reihe nach:

Welchen Nutzen hat ein Papageientagebuch?

Erinnerung und Unterhaltung

Wir alle kennen den Effekt, dass unsere Erinnerungen mit der Zeit verblassen. Gerade die alltäglichen Kleinigkeiten die das Leben mit Papageien so toll machen werden schnell wieder vergessen – Dinge die uns schmunzeln lassen oder uns auch einmal ärgern.

Erst letztens habe ich wieder einmal meine frühen Blogartikel gelesen, die noch ein echtes Tagebuch unseres Lebens mit Nicki und Eddie waren. Da kamen jede Menge Erinnerungen hoch. Mit Erstaunen habe ich festgestellt, wie viel ich schon wieder vergessen hatte. An diese Begebenheit konnte ich mich z.B. gar nicht mehr erinnern. Damals fand ich es definitiv nicht lustig; heute konnten wir darüber lachen.

Entwicklungen und Zusammenhänge erkennen

Hier sehe ich zwei Schwerpunkte: Gesundheit und Verhalten.

Gesundheit

Es ist ja bekannt, dass Papageien Krankheiten so lange es geht verbergen. Wenn man die Symptome dann endlich wahrnimmt, ist es leider manchmal schon fast zu spät für eine erfolgreiche Behandlung. Doch die Symptome sind ja nicht zwei Jahre lang nicht da und werden über Nacht sichtbar. Meist bilden sie sich so allmählich heraus, dass man es kaum erkennen kann.

Beispiel:

Mein Paniksatz bei unseren Papageien war „Sag mal findest Du nicht auch, dass der Vogel in letzter Zeit so ruhig ist?“ So ging es damals bei unserem Rosa Kakadu Rosi los. Wir beobachteten den Vogel noch ein paar Tage und brachten ihn dann zum Tierarzt. Der stellte PDD im fortgeschrittenen Stadium fest. Ein paar Wochen später starb Rosi.

Wir haben uns noch lange mit der Frage herumgequält ob wir sie noch hätten retten können, wenn wir ihre Veränderung früher bemerkt hätten. Seit wann war sie eigentlich schon so ruhig? Hätten wir nicht viel früher aktiv werden müssen?

Ein Tagebuch schärft den Blick für Kleinigkeiten und Details. Das gilt umso mehr, wenn man das Tagebuch führt mit dem Ziel, Veränderungen am Gesundheitszustand frühzeitig zu erkennen.

Das wird dann vielleicht keine druckreife Prosa, aber es kann wertvolle Anhaltspunkte liefern. Wenn man gelegentlich in seinen Aufzeichnungen zurückblättert, fallen einem auch kleine Veränderungen viel leichter auf.

So manches Problem lässt sich auf diese Weise auch sicherer klären: Der Vogel hat veränderten Kot. Seit wann eigentlich? Vor vier Tagen war jedenfalls noch alles in Ordnung. Ach so, wir haben ja auch seit drei Tagen eine neue Obstsorte angeboten. Mal schnell recherchieren – ja dieses Obst kann zu solchen Kotveränderungen führen. Das kann man noch etwas beobachten. Lässt man das Obst wieder weg und der Kot normalisiert sich, dann hat man die Ursache gefunden.

Gut, dieses Beispiel ist ziemlich simpel. Wahrscheinlich wäre man auf so einen einfachen Zusammenhang auch ohne Papageientagebuch gekommen. Aber fühlt man sich nicht sicherer, wenn man sich nicht nur auf seine Erinnerung verlassen muss?

Verhalten

Ich finde auch die gezielte Beobachtung des Verhaltens der Papageien sehr nützlich. Wie lange braucht er, um sich an ein neues Spielzeug zu wagen? Lange, ja. Aber ging es in letzter Zeit nicht doch immer schneller als noch vor einem Jahr?

Vielleicht hat man ja irgendwann in diesem Jahr etwas verändert das dem Vogel hilft, neues Spielzeug nicht mehr so gefährlich zu finden? Werden vielleicht genau die Spielsachen leichter akzeptiert, die nicht so „gefährlich“ nah an seinem Schlafplatz hängen?

Vielleicht hat der Vogel in dieser Zeit aber auch auf anderen Gebieten Fortschritte gemacht und ist jetzt erst richtig „angekommen“.

Die kontinuierliche Beobachtung und Dokumentation des Verhaltens kann jedenfalls helfen, den Papageien mit seinem individuellen Charakter noch besser kennenzulernen und sich entsprechend darauf einzustellen.

Dokumentation

Dieser Punkt fällt für mich unter das Stichwort „Man weiß ja nie, wofür es mal gut sein kann“. Zwei Aspekte fallen mir dazu ein; es gibt aber sicher mehr:

Beweisfunktion

Kontinuierlich gepflegte Aufzeichnungen können im Falle eines Falles als Beweis dienen. Niemand möchte sich wegen seiner Papageien vor Gericht wiederfinden. Doch ganz ausschließen kann man das auch nicht. Papageien haben einen hohen Kaufpreis, können hohe Tierarztkosten verursachen, man hat eine starke emotionale Bindung zu ihnen und sie bleiben auch den Nachbarn nicht verborgen.

Was ist wenn

  • … der Papagei kurz nach der Anschaffung Krankheitssymptome zeigt? Der Verkäufer hat versichert dass das Tier gesund ist – nun streitet man, ob die Erkrankung beim Verkauf schon bestand.
  • … die Nachbarn sich über das „ständige“ Geschrei beschweren? Man muss den Gegenbeweis bringen, dass die Vögel gar nicht ununterbrochen schreien oder dass man bereits aktive Maßnahmen zur Lärmbegrenzung ergriffen hat.

Nun fragst Du Dich bestimmt, ob so ein Tagebuch vor Gericht überhaupt Beweiskraft hat. Papier ist schließlich geduldig. Niemand weiß, ob die entsprechenden Aufzeichnungen nicht noch schnell nachgepflegt wurden.

Ich habe in einem beruflichen Zusammenhang mal einen Juristen befragt, welche Beweiskraft persönliche Notizen haben. Der meinte, dass ein einzelner Vermerk sicher angezweifelt würde. Anders sieht es aus, wenn man für einen längeren Zeitraum kontinuierliche und konsistente Aufzeichnungen vorlegen kann. Dann würde ein Richter die Inhalte meist als glaubwürdiger einschätzen. So etwas kreiert man nicht mal eben so auf die Schnelle nachträglich.

Schaden kann es also nicht. Mindestens hilft ein Papageientagebuch den eigenen Erinnerungen auf die Sprünge und macht die eigenen Aussagen überzeugender.

Da kann man mehr draus machen

Schreiben kann Spaß machen. Irgendwann schreibt man nicht nur für sich, sondern möchte sich auch anderen mitteilen. Gut geschriebene Aufzeichnungen über das Leben mit Haustieren sind auch für andere Halter interessant.

So wird aus einem Papageientagebuch plötzlich die Grundlage für

  • ein eigenes Blog – so wie das Papageienblog
  • ein eigenes Buch – nie war es so einfach wie heute, selbst ohne Verlag ein Buch zu veröffentlichen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen
  • einer Geschäftsidee rund um Papageien – durch die Veröffentlichung eigener Erfahrungen kann man sich gegenüber potenziellen Kunden als Experte präsentieren.

Das beste Beispiel ist die langjährige Urlaubsbetreuerin unserer Papageien. Sie hat die Entwicklung ihrer Hündin Babette vom verängstigten Tierheimhund zu einer treuen Begleiterin fürs Leben akribisch aufgezeichnet. Heute kann man ihr Buch kaufen: Babette – Mein Hundeleben: Biografie einer rumänischen Straßenhündin, die ihr Glück fand

Was gehört in ein Papageientagebuch?

Alles was man für erwähnenswert hält. Der Inhalt hängt natürlich von dem Zweck des Tagebuchs ab.

Hier ein paar Anregungen, die natürlich nicht vollständig sind

Alltägliches

  • Wann und wie wurde gebadet
  • Rituale und Routinen
  • Neues Spielzeug und die Reaktion darauf
  • Saisonale Veränderungen im Speiseplan
  • Besondere Erlebnisse

Besonderes

  • Größere Veränderungen in der Familie, in der Voliere oder dem Papageienzimmer
  • Wesentliche Futterumstellungen
  • Plötzliche Verhaltensänderungen
  • Veränderungen im Umfeld und die Reaktion darauf (z.B. wie wurde der Urlaub der Halter verkraftet)

Gesundheit, Probleme

  • Gabe von Medikamenten, Kurmitteln, Vitamin- und Mineralstoffpräparaten; soweit Erkennbar Reaktionen darauf
  • Tierarztbesuche und Ergebnisse
  • Beobachtungen zum Allgemeinzustand (Gefieder, Kot, Aktivität …)
  • Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten (rupfen, beißen …)

Entwicklungsschritte, neue Fähigkeiten

  • Eingewöhnung neuer Papageien
  • Neue Wörter, hören auf neue Befehle

In welcher Form wird Tagebuch geführt?

Das hängt natürlich ab vom Zweck des Tagebuchs, von der Zeit die man dafür hat und von den persönlichen Vorlieben. Ich habe im Laufe der Zeit einige Varianten ausprobiert. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Früher oder später stellt man fest was sich bewährt und bleibt dabei.

Diese Möglichkeiten gibt es

  • Handschriftliche Aufzeichnungen oder am Computer
  • Schön formulierte Texte oder knappe Stichworte
  • Als Text, Liste oder tabellarisch (wenn man ein Tabellenkalkulationsprogramm und geeignete Stichwort verwendet kann man später leicht filtern und bestimmte Informationen suchen)
  • Kurze Notizen im Kalender
  • In einem Blog
  • Für mitteilungsfreudige: in sozialen Netzwerken

Wie unschwer zu erkennen, habe ich mich letztlich für ein Blog entschieden. Das ist gar nicht so schwer wie man vielleicht denkt:

  • Man kann ein Blog komplett kostenlos führen, z.B. auf wordpress.
  • Die Benutzeroberfläche mit den Standardfunktionen ist nutzerfreundlich und intuitiv bedienbar. Wenn Du einigermaßen computererfahren bist, sollte die Eingewöhnung leicht fallen.
  • Man kann ein Blog auch nicht-öffentlich betreiben. Es gibt einfache Tools, die Inhalte nur für eingeloggte User sichtbar machen.

Alles in allem halte ich ein Papageientagebuch für eine sinnvolle Sache. Ein paar kurze handschriftliche Notizen können schon ausreichen. Mir gab das Tagebuch unserer Grauen – in welcher Form auch immer – stets das Gefühl der Sicherheit, mich nicht nur auf meine Erinnerungen verlassen zu müssen. Man weiß ja nie …

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Ein Kommentar

  1. Ich führe selbst immer Tagebuch! Kann man nur weiterempfehlen 🙂

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