Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Schnabelpilz bei Papageien

| 2 Kommentare

Keine Sorge, hier ist niemand akut mit Schnabelpilz befallen, aber ich habe die alten Fotos von Eddie wiedergefunden. Der hatte nämlich ein paar Monate nachdem er zu uns kam Schnabelpilz. Da dachte ich nun, ich weiß schon eine Menge über Krankheiten bei Papageien, aber von dieser Pilzerkrankung hatte ich auch noch nicht gehört. Da ich recht gute Bilder des Krankheitsbildes habe, möchte ich diese Erkrankung hier vorstellen, um auch andere Papageienhalter zu sensibilisieren.

Eine helle stelle am Schnabel – Was ist das?

Eddie war damals wie gesagt erst ein paar Monate bei uns. Ein Check beim Tierarzt hatte außer einer leichten Aspergillose nichts ergeben. Da fielen mir helle Stellen an seinem Oberschnabel auf, die auch nach einiger Zeit nicht verschwanden. Die Stellen sahen auch nicht wie äußerliche Schäden aus, eher wie etwas das von innen kam. An diesen Stellen war das Schnabelhorn hellbraun verfärbt. So sah das aus:

Schnabelpilz bei einem Graupapagei

Eddie mit Schnabelpilz

Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon einige leidvolle Erfahrungen mit Papageienkrankheiten hinter uns, so dass wir das nicht auf die leichte Schulter nehmen wollten. Andererseits wollten wir dem Vogel auch nicht wegen einer möglicherweise belanglosen Verfärbung die lange Fahrt zum Tierarzt samt Untersuchung zumuten. Also haben wir erst mal mit unserer Tierärztin telefoniert und haben ihr ein paar Fotos zugeschickt. Daraufhin kam ihre Diagnose recht schnell und eindeutig: Schnabelpilz. Immerhin haben wir uns so tatsächlich die Fahrt erspart.

Schnabelpilz – Die Fakten

Bei einer Schnabelpilzinfektion handelt es sich um die gleichen Aspergillen, die häufig die Atemwege von Papageien befallen. Sie scheint recht selten vorzukommen, jedenfalls habe ich weder in meiner Fachliteratur (Leitsymptome bei Papageien und Sittichen: Diagnostischer Leitfaden und Therapie) noch im Internet viel darüber gefunden. Die von uns beobachtete Verfärbung des Schnabelhorns war demnach wohl noch ein Frühstadium der Erkrankung. Weitere Symptome können ein Aufweichen des Schnabelhorns oder eine Veränderung hin zu einer schwammartigen Beschaffenheit sein. Ein solcher Pilzbefall kann auch ein ähnliches Bild wie der Befall mit Räudmilben erzeugen (so beschrieben hier – ganz nach unten scrollen).

Nachträglich ergänzt: Gaby Schulemann-Maier von Birds-Online hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Schnabelpilz nicht immer so eindeutig zu erkennen ist: „Bei Wellensittichen kann ein Schnabelpilz ähnlich aussehen wie ein Räudemilbenbefall, bei anderen Vogelarten wie Graupapageien besteht diese Verwechslungsgefahr weniger. “ Vielen Dank für diesen Hinweis.

Schnabelpilz bei einem Graupapagei

Schnabelpilzbefall – nochmal größer

So haben wir Eddies Schnabelpilz behandelt

Für Eddie sah die Behandlung so aus, dass mit Imaverol das gleiche Pilzmittel, mit dem auch gegen die Aspergillose inhaliert wird, zum Einsatz kommen sollte. Imaverol ist ein Breitspektrum-Antimykotikum, das eigentlich für Pferde, Rinder und Hunde zur Anwendung auf der Haut gedacht ist. Bei Papageien wird es aber auch zur Inhalation gegen Pilzbefall der Atemwege eingesetzt.

Die Tierärztin meinte erst, dass die Inhalationskur gleichzeitig auch auf den Schnabel wirken würde. Das erschien uns aber nicht ausreichend, da unsere Papageien in ihrem ganz normalem Bauer inhalieren, welches wir mit einer großen Malerfolie abdichten. Bei knapp einem Kubikmeter Raummaß hatten wir Zweifel, ob eine ausreichend hohe Wirkstoffkonzentration entstehen würde. Außerdem inhalierten wir ja schon eine Weile und der Schnabelpilz hatte sich jetzt erst herausgebildet.

Also entschieden wir gemeinsam mit der Ärztin, das Imaverol direkt auf den Schnabel aufzutragen. Sie warnte uns auch gleich vor, dass so ein Schnabelpilz eine recht langwierige Angelegenheit sein könnte. Also mussten wir wohl oder übel einen nicht handzahmen Papageien jeden Abend fangen und ihm mit einem in das Pilzmittel getauchten Wattestäbchen den Schnabel einpinseln. Schön war das für alle nicht, aber wir hatten tatsächlich Erfolg. Die hellen Stellen verschwanden und Eddies Schnabel sieht seit dem wieder so aus, wie ein Graupapageienschnabel eben aussehen soll – schön gleichmäßig dunkel.

Wie es aussieht haben wir früh genug reagiert und konnten zumindest diese Erkrankung vollständig ausheilen. So, jetzt mal schnell alle auf Holz klopfen, damit das auch so bleibt. Jedenfalls ist Eddie seit Jahren symptomfrei.

Bevor es zum Abschluss noch ein drittes Bild gibt ein dringender Hinweis von mir: Bitte stellt keine eigene Diagnose nur auf Basis dieser Fotos. Auch wenn das Pilzmittel Imaverol rezeptfrei erhältlich ist, sollte jede Behandlung von vermuteten Erkrankungen immer mit einem sachkundigen Tierarzt abgesprochen werden.

Schnabelpilz bei einem Graupapagei

auch hier sind die hellen Stellen deutlich erkennbar

2 Kommentare

  1. Hallo!

    Meine beiden Mohrenkopfpapageien inhalieren gegen Aspergillen in der Lunge. Nun haben auch sie auf dem Schnabel die braunen und weißen Stellen auf dem Schnabel, der Test im Labor war aber (laut vogelkundlichem TA) negativ. Einen zweiten Tast werde ich beim nächsten TA-Besuch in Auftrag geben, wenn sich bis dahin nichts gebessert hat. Ich überlege nun, einfach auch das Einstreichen des Schnabels mit der Inhalationslösung zu machen, schaden kann es ja nicht. Wie lange haben Sie es denn gemacht, bis Sie sicher waren, dass der Pilz abgetötet war?

    Danke für den Tipp,
    Kathrin

    • Hallo Kathrin,
      wenn Du Zweifel an dem Testergebnis hast, kann es sicher nicht schaden, eine zweite Meinung einzuholen. Ich persönlich wäre aber vorsichtig damit, auf eigene Faust mit einem Anti-Pilz-Mittel zu behandeln. Das ist ein Medikament das auch Nebenwirkungen haben kann und keine „harmlose Vitaminpille“. Da würde ich zumindest nochmal Rücksprache mit dem Tierarzt nehmen, dass es auch wirklich nicht schadet.
      Ich weiß gar nicht mehr genau, wie lange wir damals behandelt haben. Es waren jedenfalls mehrere Wochen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.

anzeigen
verbergen