Papageienblog

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Teflon – für Papageien gefährliche Dämpfe

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Dass Teflondämpfe für Papageien und Sittiche lebensgefährlich sind, sollte sich unter Haltern mittlerweile herumgesprochen haben. Es gibt kaum noch eine Auflistung von Gefahren für die Krummschnäbel, die Teflon nicht erwähnt. Trotzdem kommen immer wieder Papageien durch die Dämpfe aus überhitzten Tefolonbeschichtungen zu Tode. Man kann also nicht genug warnen und genau das soll dieser Post auch tun. Außerdem möchte ich die teilweise etwas widersprüchlichen Informationen zum Gefahrenpotenzial von Teflon ordnen und daraus eine Handlungsempfehlung ableiten.

Leider wird die von Teflondämpfen ausgehende Gefahr noch nicht von allen Papageienhaltern ernst genommen Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass die Aussagen ab wann genau Teflon gefährlich wird, oft widersprüchlich sind. Ich möchte daher hier möglichst umfassende Informationen zusammentragen.

Was genau ist an Teflon so gefährlich für Papageien?

„Teflondämpfe sind für Vögel hochtoxisch, sie entstehen, wenn entsprechendes Geschirr ohne Inhalt erhitzt wird, z.B. beim Anwärmen von Pfannen oder Raclette-Pfännchen. … In der Folge von Teflondampf-Inhalation treten Dyspnoe, Ataxien und Inkoordinationen auf, meist tritt der Tod innerhalb weniger Minuten ein.“

so steht es in Leitsymptome bei Papageien und Sittichen von Michael Pees. Die medizinischen Fachbegriffe musste ich auch erst nachschlagen:

  • Dyspnoe: Atemnot, erschwerte Atmung, das Gefühl nicht genügend Luft zu bekommen
  • Ataxien: Störungen der Bewegungskoordination, diverse Bewegungsstörungen
  • Inkoordinationen: lt. Duden.de das Fehlen des Zusammenwirkens bei Bewegungsmuskeln

Hildegard Niemann schreibt in Papageien als Heimvögel, Band 1

„Überhitztes Teflon sondert Gase ab, die die Lungenoberfläche der Vögel verätzen. Selbst eine sofortige Frischluftzufuhr kann den entstandenen Schaden beim Vogel nicht wieder beheben, und meist sterben die Vögel einen qualvollen Erstickungstod.“

Teflon ist lt. Wikipedia der Handelsname für Polytetrafluorethylen (Kurzzeichen PTFE). Bei Erhitzen dieses Materials auf eine bestimmte Temperatur werden Dämpfe freigesetzt, die in hoher Konzentration auch für den Menschen giftig sind.  Das Atmungssystem von Vögeln ist empfindlicher, so dass bereits geringere Konzentrationen tödlich wirken. Durch die Dämpfe werden die Atemwege von Papageien irreversibel geschädigt. Eine Behandlung oder Heilung ist also nicht möglich. Alle Berichte die ich gefunden habe sprechen davon, dass der Tod in kurzer Zeit eintritt.

Wann und wie entstehen Teflondämpfe?

Die Dämpfe entstehen beim Erhitzen von Teflon auf hohe Temperaturen. An dieser Stelle werden die Angaben sehr widersprüchlich.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine lesenswerte Fragen und Antworten-Liste zu Koch- und Bratgeschirr mit Antihaftbeschichtung zusammengestellt. Dort ist von Temperaturen um 360 °C die Rede, „bei denen PTFE beginnt, sich zu zersetzen und ohne Rauchentwicklung giftige Substanzen freizusetzen.“ Diese Aussage ist allerdings auf den Menschen bezogen. Mit Bezug auf Vögel heißt es „Als niedrigste kritische Temperatur wurden im Tierversuch ca. 202 °C ermittelt. Bei dieser Temperatur lösen sich bereits kleine PTFE-Partikel, die bei Vögeln tödlich wirken können.“ Wichtig finde ich hier die Aussage „ohne Rauchentwicklung“ – die Gefahr ist also nicht so ohne weiteres wahrnehmbar.

Weiterhin wird im Internet an verschiedenen Stellen (z.B. hier) ein schon etwas älterer Bericht aus dem Reutlinger Generalanzeiger widergegeben. Darin spricht ein Tierarzt von 280 °C als kritischer Temperatur. Vereinzelt findet man sogar noch höhere Temperaturangaben.

Aus Vorsichtsgründen würde ich von der niedrigeren genannten Temperatur – also rd. 200 °C – ausgehen. Diesen Wert erreichen ganz normale Herdplatten. Auch Backöfen heizen üblicherweise bis 250 °C. Ich empfehle auch, die Grenze nicht an bestimmten Einstellungen der Herdplatte oder des Backofens festzumachen. Jeder Herd ist anders. Geeicht sind sie alle nicht. Daher sind die Temperatureinstellungen des Backofens nur als ca.-Werte zu verstehen. Wie heiß eine Herdplatte in welcher Einstellung wird, kann man als Laie ohnehin kaum ermitteln.

Alle von mir gefundenen Quellen erklären, dass bei sachgemäßem Gebrauch von Teflonpfannen keine Gefahr bestehen soll. Die Dämpfe sollen nur entstehen, wenn leeres Teflongeschirr sehr hoch erhitzt wird und dabei leer ist. Das BfR erklärt in dem o.g. FAQ dass bei einer Überhitzung das Brandgut durch unangenehmen Brandgeruch auf sich aufmerksam machen würde. Erhitztes Öl entwickelt demnach ab ca. 270 °C Rauch. Für den Papageien ist es da aber wohl schon zu spät. Physikalisch ist es so, dass sich eine nicht leere Pfanne langsamer auf die kritischen Temperaturen erhitzt, da das Gargut einen Teil der Wärmeenergie aufnimmt und ableitet.

Ich persönlich würde daraus jetzt nicht im Umkehrschluss ableiten, dass eine nicht leere Pfanne ungefährlich ist. Was ist, wenn nur Teile des Pfannenbodens mit Lebensmitteln bedeckt sind? Was ist mit dem Pfannenrand? Kann der alleine bereits eine kritische Menge Gase abgeben? Ich weiß die Antworten nicht. Doch so lange ich darauf keine sichere Antwort habe, würde ich das Risiko nicht eingehen.

Wo kommt überall Teflon zum Einsatz?

Für Bratpfannen ist die Gefahr also nach diesen Ausführungen noch überschaubar. Anders ist es mit Raclettegeschirr. Die obere Platte von Raclettegrillen hat i.d.R. kein Thermostat und wird ununterbrochen weiter aufgeheizt. Dazu kommt, dass die Grillplatte normalerweise nie vollständig mit Speisen bedeckt ist – es liegen eher kleine Häppchen darauf – und dass sich ein Raclette-Essen über Stunden hinziehen kann. In diesem Zusammenhang habe ich auf einigen Webseiten die Aussage gelesen, dass sich plötzliche Todesfälle von Papageien um die Weihnachtszeit häufen – die Hochsaison für gemütliches Beisammensein mit Raclette.

Für ähnlich gefährlich halte ich auch mit Teflon beschichtete Backbleche. Da ist ja nicht immer ein ganzer Kuchen drauf, der bei nur 180 °C gebacken wird. Bäckt man eine Tiefkühlpizza auf, ist ziemlich viel vom Blech unbedeckt und es werden je nach Marke Temperaturen bis zu 250 °C benötigt. Hat man den Ofen brav vorgeheizt, ist das Blech diesen Temperaturen über 10 Minuten lang ausgesetzt. Ich vermute, dass sich die Dämpfe in dieser Zeit im Ofen ansammeln und dann beim öffnen mit einem Schwall an die Umwelt gelangen.

Daneben gibt es noch andere Geräte, bei denen Teflon zum Einsatz kommen kann:

  • Diverse Koch- und Bratentöpfe
  • Raclettepfännchen
    Waffeleisen und Sandwichtoaster
  • Brotbackautomaten
  • Toaster
  • Bügeleisen
  • Föne, Lockenstäbe und ähnliche Geräte fürs Haarstyling

Ich möchte nicht behaupten, dass diese Liste vollständig ist. Im Zweifel sollte man sich beim Hersteller erkundigen und evtl. gezielt nach einer teflonfreien Alternative suchen.

Sollte es nicht mehr Warnhinweise für Papageienhalter geben?

So lange immer noch Papageien durch Teflondämpfe zu Tode kommen: Unbedingt! Die Frage ist nur, wie. Die Community der Papageienfans tut bereits viel, indem sie die Teflongefahr immer wieder in Forenbeiträgen, auf Webseiten und in sozialen Netzwerken thematisiert. Ich tue das ja auch gerade.

Verpflichtende Warnhinweise auf allen Gegenständen mit Teflonbeschichtungen wären sicher im Interesse der Papageien wünschenswert. Ich fürchte aber, die Lobby der Papageienfreunde ist viel kleiner als die der Hersteller von Konsumgütern. Und außerdem, ein wenig wäre das doch als ob jeder Gemüsehändler verpflichtet wäre, an jeder Kiste Avocados ein Schild anzubringen „Achtung, Avocados bitte nicht an Papageien verfüttern!“.

Was ich sehr begrüßen würde, wäre wenn an dieser Stelle Züchter und Händler etwas mehr Verantwortung übernehmen würden. Es wäre kein großer Aufwand und kostet auch nichts. Sie müssten nur bei jeder Abgabe eines Vogels den neuen Besitzer kurz fragen: „Die Gefahr durch Teflon ist Ihnen bekannt?“ Lautet die Antwort ja, ist alles erledigt. Lautet sie nein, kann man bereits mit zwei bis drei Sätzen warnen.

Wie haben wir die Gefahr durch Teflon gehandhabt?

Gemischt. Ich gebe zu, dass unsere Wellensittiche aus Platzmangel eine Zeitlang in der Küche gelebt haben. Passiert ist ihnen dort nichts. Wenn die Teflonpfanne zum Einsatz kam, wurde stets das Fenster geöffnet. Hilfreich war vermutlich auch, dass ich beim braten ohnehin zu übertriebener Vorsicht neige. Etwas scharf anzubraten gelingt mir kaum, weil ich die Temperatur nie hoch genug stelle und dann auch zu früh wieder herunterdrehe.

Nach dieser kurzen Notlösung wurde unsere Vorsichtsmaßnahme umfassender: Bei uns herrschte der Grundsatz, dass die Papageien Küchenverbot haben, sobald dort gekocht oder gebacken wird. Immer. Papageien hatten bei uns nur Zutritt zur Küche, wenn kein Herd oder Backofen im Einsatz war. Dabei ging es uns nicht nur um Teflon. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass das empfindliche Atemsystem von Papageien und Küchendämpfe nicht gut zusammenpassen.  Außerdem geht von jeder heißen Herdplatte, jedem heißen Kochtopf und Backblech und jeder heißen Backofentür eine Verletzungsgefahr aus. Genauer gesagt hatte ich immer mächtig Sorge, dass sich einer der Grauen erschreckt, versehentlich auf der Herdplatte oder direkt im Topf landet und sich dort verbrennt. (Mehr dazu in dem Beitrag Papageien in der Küche)

Der Raclettegrill kam bei uns ohnehin nur ganz selten zum Einsatz. Wenn, dann war das abends, wenn die Papageien längst in ihrem Zimmer waren. Mein Bügeleisen ist ganz altmodisch unbeschichtet. Das ebenfalls selten benutzte Waffeleisen fällt unter das o.g. Küchenverbot. So war unser Haushalt in dieser Beziehung wohl ziemlich papageiensicher.

Papageien auf dem Küchentisch - Teflon ist eine Gefahr!

Papageien auf dem Küchentisch – bitte nur wenn nicht gekocht wird!

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