Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Schnabelpilz bei einem Graupapagei

Was wurde aus Eddie?

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Nachdem nun klar war, dass Nicki nicht wieder zu uns zurückkehren würde, mussten wir auch eine Entscheidung für Eddie treffen. Er lebte ja nun schon monatelang bei uns als Einzelvogel.  Eddie ist ja ein emotional sehr stabiler und regelrecht anspruchsloser Vogel. So hatte er die lange Trennung von seiner Gefährtin recht gut weggesteckt. Ich hatte ja schon berichtet, dass er sich etwas mehr der Familie angeschlossen hatte. Das ging aber auch nur so weit, wie er das gerade für richtig hielt. Eddie war eben eine Naturbrut und ein Mensch war für ihn als Gesellschaft immer nur zweite Wahl.

Wie wichtig der Kontakt zu anderen Papageien für Eddie war, hatten wir jedes Mal gemerkt, wenn Nicki von der Tierärztin zu uns auf „Hausbesuch“ kam. Eddie war dann stets sofort bei ihr und nahm auf alle erdenkliche Weise Kontakt auf. Da Nicki aber nur nah bei uns sein wollte, hatten wir plötzlich auch Eddie wieder auf der Stuhllehne und dem Abendbrotstisch sitzen. Das machte er alleine nie.

Es stellte sich nur die Frage, wie Eddie wieder zu artgerechter Gesellschaft kommen sollte. Es gab zwei Möglichkeiten: wir besorgen ihm eine Partnerin oder wir geben ihn dorthin ab, wo er mit anderen Papageien leben kann.

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns schweren Herzens gegen die erste Option entschieden, auch wenn das das Ende unserer Papageienhaltung bedeutete. Sicher, Eddie war ein unkomplizierter Vogel. Mit einer gleichgesinnten Partnerin als Gesellschaft erwartete er von uns Menschen eigentlich nicht viel mehr als regelmäßiges Futter, ein sauberes Zimmer und regelmäßigen Freiflug. Unter diesen Umständen hätte es ihn wohl kaum gestört, dass wir tagsüber nicht im Haus und am Wochenende viel mit den Kindern beschäftigt sind. Das wäre machbar gewesen.

Dennoch, diese Art der Haltung entsprach nicht unseren Erwartungen an uns selbst. Wenn wir Haustiere halten, dann doch nicht um mit minimalem Aufwand irgendwo zeitlich dazwischengedrängt ihre Bedürfnisse zu erfüllen und sonst nicht viel Kontakt mit ihnen zu haben. Eigentlich halte ich es ja für ideal wenn man zwei Papageien hat, die sich selbst genügen und nicht emotional auf den Menschen angewiesen sind. Doch gerade in dieser Situation finde ich es interessant, an ihrem Leben und ihrem Miteinander teilhaben zu dürfen. Ich hätte gern miterlebt, wie sich zwei nicht fehlgeprägte Vögel zueinanderfinden und wie sich ihre Beziehung entwickelt. Wenn ich aber dafür weder Zeit noch Muße habe, sondern nur die Versorgerrolle ausfülle, dann passt das für mich nicht.

Letztendlich begannen wir, nach einem neuen Zuhause für Eddie zu suchen. Unsere Kriterien waren die folgenden:

  • Artgerechte Haltungsbedingungen mit viel Freiflugmöglichkeiten
  • Mindestens ein geschlechtsreifer, nicht nur auf den Menschen geprägter Graupapagei als Gesellschaft, bevorzugt eine Henne
  • Soweit absehbar sollte es ein Platz auf Lebenszeit werden

Schon vor einigen Monaten hatten wir uns eine Auffangstation in unserer Nähe angesehen. Davon waren wir aber aus verschiedenen Gründen nicht so angetan. Für unseren Eddie wäre das nicht das Richtige gewesen. Unser Plan B war ein Vermittlungsgesuch in den Vogelforen. Dort gibt es ein Unterforum für Vermittlungen und Abgaben.

Auf unser Gesuch hin kam recht schnell der erste Kontakt zu einer interessierten Familie zustande. Mit ein paar Tagen Verzögerung gingen dann noch mehrere weitere Anfragen bei uns ein. Doch der erste Kontakt war und blieb unser Favorit.

Wir tauschten uns per Mail und Telefon ausgiebig aus und hatten schnell das Gefühl, dass das gut passen würde: Eddie ist zu einer verwitweten, ca. 20 Jahre alten Graupapageiendame gezogen. Die Henne ist noch ein Wildfang, lebt aber schon recht lange bei der Familie und ist menschlichen Umgang gewohnt. Ihr sind inzwischen bereits zwei Partner altersbedingt gestorben. Deshalb war es der Familie auch wichtig, dass der neue Partner ein paar Jahre jünger als die Henne ist. Die Graupapageien leben in einer Zimmervoliere, haben aber täglich ausgiebig Freiflug im ganzen Haus. Zusätzlich gibt es im Sommerhalbjahr Frischluft: in etwas kleineren Käfigen können die Vögel mit in den Garten. Zum Haushalt gehören außerdem zwei Amazonen.

Auch vom Wesen her klang alles vielversprechend: Beide Vögel sind den Umgang mit anderen Papageien gewohnt, ohne dabei aggressiv zu werden und beide sind an artgleicher Gesellschaft interessiert.

Wir haben dann noch beide Papageien auf die wichtigsten ansteckenden Krankheiten testen lassen – zum Glück alles negativ. Danach stand Eddies Umzug in sein neues Heim nichts mehr im Wege. Wir waren sehr froh, dass das noch kurz vor unserem Sommerurlaub geklappt hat. Für zwei Wochen hätten wir Eddie ungern ganz allein gelassen, nur mit morgens und abends einem kurzen Besuch von der Urlaubsbetreuung.

Eddies neue Familie hat uns in den folgenden Wochen per Mail auf dem Laufenden gehalten. Es hätte besser nicht laufen können. Eddie und die Henne haben von Beginn an Interesse aneinander gezeigt und sind sich schnell näher gekommen.

Nun leben also keine Papageien mehr in unserem Heim. Sie fehlen uns sehr. Doch wir wissen auch, dass beide dort wo sie jetzt leben glücklich sind. Jeder von ihnen hat genau den Platz gefunden den er braucht. Das hätten wir ihnen so nicht bieten können.

Auch wenn wir im Augenblick keine Papageien halten – vom Papageienvirus infiziert bleibt man wohl ein Leben lang. Ich möchte nicht ausschließen, dass irgendwann später wenn die Kinder größer oder aus dem Haus sind wieder einmal Krummschnäbel bei uns einziehen werden.

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