Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Wie schützt man das Inventar vor dem Papageienschnabel

| Keine Kommentare

Was Nicht-Papageienhalter oft nicht wissen und wohl jeder Papageienhalter aus eigener Erfahrung weiß: Papageien sind eigentlich als Vogel verkleidete Nagetiere. Sie sind auch gut in jedem Abbruchunternehmen einsetzbar. Vor dem nimmermüden überaus kräftigen Papageienschnabel ist praktisch nichts sicher.

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass es praktisch unmöglich ist, das Hab und Gut des Halters von Wohnungspapageien wirklich sicher vor dem angeborenen Nagetrieb der Vögel zu schützen. Erst mal ist ein Papagei im Zweifelsfall erfinderischer als ein Mensch. Er wird immer noch ein ungeschütztes Eckchen finden, das bearbeitet werden kann. Außerdem möchte man ja kaum seine Wohnung zur Festung umbauen.

Trotzdem möchte ich hier ein paar Tipps und Erfahrungen zur Vermeidung der gröbsten Schäden zusammentragen. Die Liste darf auch gern über die Kommentarfunktion ergänzt werden. Nach meiner Einschätzung fallen Absicherungsmaßnahmen in mehrere Kategorien:

  • Zugang verhindern
  • Vertreiben
  • Alternativen anbieten

Alternativen anbieten

Mit dem letzten Punkt fange ich an, weil er für mich unter Vorbeugung und artgerechte Papageienhaltung fällt. Natürlich sind auch für Papageien die verbotenen Dinge immer die interessantesten. Trotzdem ist es so dass der Papagei weniger auf „dumme Ideen“ kommen wird, wenn er mit erlaubten zerstörerischen Tätigkeiten voll beschäftigt ist. Das heißt: Spielzeug, Spielzeug, Spielzeug. Sofern es der Vogel annimmt, sollte er so viel wie möglich mit zerstörbaren Spielzeugen, frischen Zweigen und anderen Materialien zum benagen ausgestattet werden. Wie habe ich doch einmal so schön in einem Buch gelesen: „Wenn man dem Papageien kein Spielzeug anbietet, wird er sich selbst welches suchen“.

Das muss nicht immer teures Papageienspielzeug aus dem Fachhandel sein. Es kommt vielmehr darauf an herauszufinden, womit sich der Vogel gern beschäftigt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wobei ich wohl nicht extra erwähnen muss dass die Eignung für Vögel immer geprüft werden muss (ungiftig? etc. ):

  • Einfache (bitte unbehandelte!) Latten und Bretter aus dem Baumarkt können eine preiswerte Alternative sein.
  • Als unsere Henne Nicki kürzlich dem Zeitungsschredderwahn verfiel, habe ich das Papageienzimmer mit ein paar extra Schichten Zeitung ausgelegt.
  • Beim Freiflug in der Wohnung hat es sich bewährt Dinge anzubieten, mit denen auch wir Menschen uns beschäftigen. Bei uns sind das z.B. Flaschendeckel oder die ganze Wasserflasche (die Etiketten werden gern entfernt), ein altes Platzset extra für den Papageien, wieder Zeitungen, Zettel oder anders Papier, Kugelschreiber und Stifte, Löffel …
  • Manchmal kann man dem Papageien einen anderen Sitzplatz schmackhaft machen, an dem er keinen Schaden anrichten kann, z.B. einen attraktiven Freisitz im Wohnzimmer.

Zugang verhindern

Da sich leider kaum ein Papagei allein durch erlaubte Beschäftigung davon abhalten lassen wird, auch mal Schränke und Türen mit dem Schnabel zu untersuchen, muss man sich immer noch etwas Anders einfallen lassen. Schön ist es natürlich, wenn irgendwo ein alter Schrank steht, den der Vogel bearbeiten darf. Oder wenn man die alte Deckenlampe erst ersetzt, wenn der Papagei sie endgültig in Krümel zerlegt hat. Aber wir alle haben nun mal auch Dinge im Haus, an denen wir keine Schnabelspuren haben möchten.

Mit Zugang verhindern meine ich an dieser Stelle nicht nur, den Papagei komplett von bestimmten Gegenständen fernzuhalten. An vielen Stellen bei uns dürfen die Vögle gern sitzen; sie sollen nur nicht daran nagen. Also reicht es, den Zugang für den nagefreudigen Schnabel zu verhindern. Alte Handtücher über den Stuhllehnen sind da wohl ein Klassiker.

Generell halte ich abdecken mit alten, möglichst dicken Tüchern und Decken immer für eine gute Möglichkeit – besonders für die Bereiche der Wohnung, zu denen die Papageien nur zeitweise während des Freifluges Zugang haben. Eine alte Decke ist schnell über das Sofa geworfen und wenn der Freiflug wieder beendet ist auch wieder weggeräumt. Außerdem schützt sie noch vor Kotspuren.

Darüber hinaus gibt es je nach Zielobjekt der Papageien sehr viele Möglichkeiten, die nicht zuletzt von Fantasie und handwerklichem Geschick der Halter abhängen. An dieser Stelle fällt mir auf, dass wir gerade in unserem Papageienzimmer eine ganze Reihe von Sicherungsvorrichtungen angebracht haben, die gut und gerne einen separaten Post füllen. Dazu gibt es also in Kürze noch mehr Details in dem Post über den Schutz von Wänden und Türen.

Vertreiben

Nicht an jeder Stelle kann oder will man den Zugang für den Papageien wirksam verhindern. Dann hilft eigentlich nur noch aufpassen. Dabei fällt Vertreiben für mich nochmal in zwei verschiedene Strategien.

Möglichkeit Nummer 1 ist das klassische wegscheuchen

Wenn man das lange und konsequent genug betreibt besteht sogar die Hoffnung, dass der Papagei irgendwann lernt dass er dort nicht sitzen darf. Darauf verlassen würde ich mich aber nicht.

Wir praktizieren hier in der Regel eine Teillösung. Oft ist es ja so dass die Papageien ihre Lieblingssitzplätze haben  und bestimmt Stellen einfach deshalb benagen weil sie dort viel sitzen. Bei uns gilt dann, dass die Vögel dort sitzen dürfen, so lange sie ihren Schnabel nur zum Pfeifen und Quasseln verwenden. Wenn genagt wird, gibt es erst mal ein paar Ermahnungen und erst wenn die nichts nützen scheuchen wir die Vögel von ihrem Platz hoch.

Der Nachteil des Wegscheuchens ist, dass es nur so sicher ist wie man selbst als Halter aufmerksam ist. Wenn ich nicht bemerke was mein Papagei gerade treibt, kann ich auch nicht eingreifen. Bei uns hat sich dazu die Feststellung eingebürgert: „Wenn sich Papageien und kleine Kinder zu lange ruhig verhalten, sollte man mal nachsehen gehen. Wahrscheinlich stellen sie gerade etwas an.“

Möglichkeit Nummer 2 besteht in der Abschreckung

Dazu benötigt man einen schönen Bestand knallbunter Plüschtiere, Putzlappen oder ähnlicher Grausamkeiten. Hier mache ich mir die typische Scheu der Papageien vor Neuem zu Nutze.

Seit Eddie versuchte eine Ecke des Geländers von unserer Galerie im Wohnzimmer zu benagen, thront dort ein Plüschhase – nicht schön aber wirkungsvoll.

Plüschtier zum Schutz des Inventars vor dem Papageienschnabel

Die Plüschtiere bewachen die Galerie

Als Nicki einmal nicht nur die Zeitungen auf dem Boden ihres Zimmers, sondern auch die Unterkante der Tür benagen wollte, habe ich diese großzügig mit ganz normalem Abklebeband aus dem Malerbedarf beklebt und dieses mit knalligen Textmarkern „verziert“. Auch ein buntes Tuch über dem Kleiderständer kann wirkungsvoll sein.

Je nach Temperament des Vogels kann es natürlich nötig werden, die „Vogelscheuchen“-Objekte regelmäßig auszutauschen, weil sie sonst ihre Bedrohlichkeit verlieren.

Natürlich muss man mit dieser Strategie etwas aufpassen, wo man sie einsetzt und wie der Papagei darauf reagiert. Selbstredend ist es nicht angebracht, z.B. die Gardine neben dem Papageienbauer auf diese Weise zu schützen, wenn der Arme Vogel sich dann nicht mehr in sein Heim traut.

Diese Aufzählung hier ist mit Sicherheit nicht vollständig. Aber hoffentlich bietet sie für den Einen oder Anderen eine gute Anregung.

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.

anzeigen
verbergen