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Wie schützt man Kinder vor Papageien und umgekehrt – Teil 2

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Im ersten Teil dieses Artikels aus der Artikelserie Wie schützt man … habe ich erklärt, warum Kinder und Papageien ein tolle Kombination sind, die aber auch Risiken für beide Seiten birgt. Im zweiten Teil geht es nun darum, wie man ein gutes Verhältnis zwischen Kindern und Papageien erreichen kann.

Wie bereits geschrieben halte ich mich an drei Grundregeln. Die müssen dann je nach Situation, Temperament aller Beteiligten und Alter der Kinder ausgestaltet werden:

  1. Aufpassen, aufpassen, aufpassen
  2. Dem Kind altersgerecht den richtigen Umgang mit Papageien erklären
  3. Als Grundlage für 1 und 2: Kind und Papagei möglichst gut einschätzen

Ich fange mal mit 3. an – alle Beteiligten einschätzen. Natürlich ist es einfacher, wenn man Kind und Vogel gut kenn und ihr Verhalten einschätzen kann. Meine Kinder lasse ich inzwischen bedenkenlos für eine Weile unbeaufsichtigt mit den Papageien in einem Raum.

Jeder hat seinen eigenen Charakter. Kinder können ruhig und mitfühlend oder hektisch und impulsiv sein; Papageien können gelassen und zurückhaltend oder nervös und aggressiv sein – und natürlich jeweils alles dazwischen. Kommen die beiden erstgenannten Charaktere zusammen, wird es wahrscheinlich unkompliziert. Dann kann man mit Strategie 2 viel erreichen.  Die beiden letztgenannten Charaktere können eine kritische Mischung ergeben. In diesem Fall hat für mich Strategie 1 Priorität und ich lasse beide Seiten keinen Augenblick unbeobachtet zusammen.

Vorsicht ist für mich grundsätzlich geboten, wenn ich entweder das Kind oder den Vogel nicht gut kenne. Schließlich trete auch ich selbst – trotz jahrelanger Papageienerfahrung – fremden Vögeln mit seeehr viel Respekt gegenüber.

Strategie 1 – Aufpassen – erklärt sich also schon fast von selbst. Aufpassen heißt hier, immer dabei sein, beobachten und notfalls eingreifen können. Besucherkinder lasse ich eigentlich nie unbeobachtet zu meinen Papageien.

Selbst wenn das Zusammenleben wie bei uns schon seit langem gut funktioniert, sollte man nie zu leichtsinnig werden. Kinder sind Kinder und vergessen im Eifer des Spiels schon mal ein paar Regeln ohne böse Absicht. Papageien sind immer noch instinktgetriebene Wildtiere, selbst wenn sie zahm sind. Die daraus resultierenden ganz natürlichen Verhaltensweisen passen nun mal nicht besonders gut zusammen.

Strategie 2 – Erklären – ist wichtig um die Grundlage für eine langfristig gute Beziehung zu legen. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen. Unser Jüngster spricht zwar noch nicht, aber er versteht schon sehr viel. Also erkläre ich altersgerecht, was die Papageien mögen und was nicht, weise darauf hin wenn sie sich erschrocken haben und gebe Interpretationshilfe für Papageienkörpersprache und -verhalten.

Am besten wird wohl an ein paar praktischen Beispielen deutlich was ich meine. Ich erkläre meinen und fremden Kindern „Papageienetikette“ etwa so:

  • „Wenn zwei Papageien sich mit den Flügeln anfuchteln, dann sind sie böse miteinander. Wenn sie nett zueinander sind, haben sie immer die Flügel angelegt. So müssen wir das mit unseren Armen auch machen. Wenn du mit den Armen herumfuchtelst, bekommen sie Angst. Wenn du nett zu ihnen sein willst, hältst du die Arme am Körper und nimmst am besten die Hände auf den Rücken.“
  • „Komm mit deinen Fingern nicht zu nah an den Schnabel. Papageien können kräftig zubeißen. Das tut sehr, sehr weh und blutet“ („bluten“ ist für meine Tochter das Synonym für eine wirklich schwere Verletzung)
  • „Oh, Eddie ist weggeflogen. Der hat jetzt eine Schreck bekommen von …“
  • „Nein, nicht das Papageienbauer anfassen. Das gehört ihnen und sie mögen das nicht“
  • „Schau mal wie Eddie jetzt da sitzt. Er hat ein Füßchen angezogen und die Federn dick aufgeplustert. Jetzt fühlt er sich wohl und ruht sich aus“.

Dazu wird noch alles Mögliche andere erklärt: dass Papageien gern oben sitzen weil sie sich dort sicher fühlen, was sie gern essen und was ihnen nicht bekommt, was aus ihrer Sicht spielen ist usw.

Außerdem achte ich darauf, dass die Kinder die natürlichen Bedürfnisse der Papageien kennen und respektieren. Zum Beispiel: Wenn die Papageien mit im Wohnzimmer sind, wird hier nicht mit Tüchern, Luftballons o.ä. lebhaft in der Luft herumgewedelt. Dann heißt es „Lässt Du das bitte, so lange Nicki und Eddie hier sind. Du weißt doch, davor haben sie Angst. Wenn du jetzt mit Deinem Tuch spielen möchtest, kannst du ins Kinderzimmer gehen.“

Das haben wir von Anfang an so gehandhabt und mittlerweile funktioniert es bei uns recht gut. Natürlich wird ein lebhaftes Kind Papageien immer mal wieder allein durch seien Bewegungsdrang erschrecken. Bis zu einem gewissen Grad können die sich daran auch gewöhnen. Wenn es zu heftig wird, ist es die Pflicht der Erwachsenen, das Kind etwas auszubremsen. Auch das wird bei uns gut respektiert.

Dabei fällt mir immer wieder auf, dass Kinder sehr fasziniert von den Vögeln sind und auch mit ihnen in Kontakt treten wollen. Also ist es wichtig, die Kontaktaufnahme der Kinder in papageientaugliche Bahnen zu lenken. Das heißt: geeignete Alternativen anbieten. Unsere Tochter darf z.B.

  • Eddie eine Mandel hinlegen (aus der Hand nimmt er von ihr nicht)
  • Körner in den Papageiennapf geben
  • Überhaupt bei der Futtervorbereitung helfen
  • Die Tür zum Papageienzimmer auf machen wenn die beiden Freiflug in der Wohnung bekommen
  • Später das übliche Signal zur Rückkehr ins Papageienzimmer geben (ich bezweifele, dass Eddie auf sie hört, aber für sie ist das wichtig)
  • Papageienklecker vom Fußboden aufwischen (ist für sie auch wichtig, denn das erlebt sie als natürlichen Bestandteil unseres Zusammenlebens)
  • Bei der Reinigung des Papageienzimmers helfen (na ja, dass es tatsächlich eine Hilfe wird, darauf warten wir noch)

Noch ein letztes Wort zu Besucherkindern, die mit ihren Eltern da sind: in diesem Fall scheue ich mich nicht, die Eltern zu sensibilisieren, damit die selbst auf ihren Nachwuchs aufpassen. Ich erkläre dann schon mal die im ersten Teil beschriebenen Zusammenhänge von größer und ranghöher, Revier verteidigen und dass Papageienschnäbel nicht gut für Kinderfinger sind.

Fazit: Mit der nötigen Aufmerksamkeit, einer guten Beurteilung der Situation und altersgerechten Erklärungen kann das Zusammenleben von Kindern und Papageien eine Bereicherung für beide Seiten sein.

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