Papageienblog

Praxiserprobte Tipps und Erfahrungen für Papageienhalter und solche die es werden wollen

Würde ich mir noch einmal Papageien anschaffen?

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Wenn ich noch einmal die Wahl hätte – würde ich mir nochmal Papageien anschaffen? Diese Frage stelle ich mir des Öfteren wenn ich hier im Blog über meine Erfahrungen mit den Krummschnäbeln schreibe und an die Zeit mit ihnen zurückdenke. Die Antwort für mich ist ein klares JEIN! Dabei hat die Frage zwei Seiten: den Rückblick auf die damalige Entscheidung und die Zukunft. Werden wir vielleicht künftig unser Leben wieder mit Papageien teilen? Doch der Reihe nach.

Hatte ich schon berichtet, dass unsere damalige Entscheidung zur Anschaffung von Papageien etwas vorschnell war? Sie war es. Es ist schwer zu sagen wie wir uns entschieden hätten, wenn wir damals schon unser gesamtes Wissen von heute gehabt hätten. Je länger ich mich mit der artgerechten Papageienhaltung beschäftige, umso mehr zweifele ich, dass eine Wohnung überhaupt der geeignete Ort für Großpapageien ist. Schon dieser Aspekt würde meine Entscheidung heute beeinflussen.

Die tolle Seite der Papageienhaltung

Doch zuallererst einmal blicke ich sehr gern auf die lange gemeinsame Zeit mit unseren gefiederten Hausgenossen zurück. Alle unsere Papageien haben unser Leben sehr bereichert: Wir hatten viel Spaß zusammen, haben Höhen und Tiefen gemeinsam erlebt, haben Veränderungen wie Umzüge und Jobwechsel gemeistert und ich habe sehr viel gelernt. Die Vögel waren Teil unseres Lebens. Ich habe mein Frühstückstoast mit ihnen geteilt und die Brote, die ich am nächsten Tag mit ins Büro nehmen wollte gegen sie verteidigt. Ich habe mir Obst „stehlen“ lassen wenn ich ihr Futter zubereitet habe. Die Honigmelone war ein so fester Bestandteil des wöchentlichen Einkaufsplanes, dass ich heute noch freudig aufmerke, wenn Melonen im Angebot sind – dabei mag bei uns niemand Honigmelonen. Auf Spaziergängen halte ich heute noch Ausschau nach Vogelbeeren. Kurz: Es war eine tolle Zeit.

Natürlich hatte ich erwartet, dass das Leben mit Papageien Spaß machen würde. Warum sonst sollte man sich solch ein Hobby anschaffen. Doch es gab auch einige unerwartete positive Nebeneffekte:

  • Ich habe sehr viel Neues gelernt – über Haltungsbedingungen, über Gesundheit und Krankheiten,  über Licht und Schatten in der Papageienzucht, habe neue Obstsorten kennengelernt und vieles mehr
  • Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt – im realen Leben wie in der virtuellen Welt der Diskussionsforen
  • Ich bin aufmerksamer geworden, habe gelernt genauer zu beobachten und durfte üben, mein Verhalten stärker an den Bedürfnissen Anderer auszurichten
  • Ich habe gelernt Entscheidungen zu treffen, auch wenn es keine eindeutig richtige Lösung gibt.

Die Schattenseiten der Papageienhaltung

Natürlich hat die Papageienhaltung nicht nur schöne Seiten. Heute weiß ich, dass wir damals die Schattenseiten total unterschätzt hatten. Um nur mal einige zu nennen:

  • Papageien machen Schmutz. Klar. Aber dass es sooo viel sein würde. Es war eindeutig nicht unser Plan gewesen, jede Woche einmal stundenlang angetrocknete Obst- und Kotreste von Gitterstäben, Fußboden und Möbeln zu schrubben.
  • Der Nagetrieb. Es kann einem schon die Tränen in die Augen treiben wenn trotz aller Bemühungen Türen, Wände, Möbel und vieles Mehr heftige Schnabelspuren aufweisen.
  • Krankheit und Tod: Papageien sind sehr schwierige Patienten. Viele typische Erkrankungen wie Aspergillose kann man bestenfalls zum Stillstandbringen, aber nicht heilen. Manchmal nicht mal das. Die Ansteckungsproblematik macht es noch schwieriger. Und jedes Mal fragt man sich verzweifelt ob man es nicht früher hätte erkennen müssen und ob dann nicht noch eine Rettung möglich gewesen wäre.
  • Wohl am wichtigsten bei uns – die soziale Bindung, die die Vögel mit ihren Menschen eingehen. Einerseits möchte man ja gern von den Papageien als Schwarmmitglied akzeptiert werden. Aber das kann auch zum Problem werden. Wir hatten ja gedacht dass wir mit Paarhaltung und einem ganzen Papageienzimmer ausreichend vorgesorgt hätten. Da würden sich die Vögel schon auch wohlfühlen, wenn wir man nicht so viel Zeit für sie haben würden. Dass Nicki das anders gesehen hat und wie die Geschichte ausging ist bekannt.

Der Tierschutzaspekt

Ein weiterer Aspekt der für mich im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden ist, ist der Tierschutz. Papageien sind schließlich noch nicht so domestiziert und auf das Leben mit dem Menschen ausgerichtet wie z.B. Hunde. Ich habe mich oft gefragt, ob es überhaupt möglich ist, diesen genetisch immer noch auf Wildnis „programmierten“ Tieren in unserer menschlichen Umgebung überhaupt ein wirklich gutes Leben zu ermöglichen. Wenn ich mal wieder in Wiesbaden einen großen Schwarm wilder Halsbandsittiche laut kreischend über mir durch die Luft ziehen sehe, dann bekomme ich Zweifel.

Es ist schwer zu sagen ob mit all diesen Erfahrungen die Entscheidung damals für oder gegen die Anschaffung von Papageien ausgefallen wäre. Vielleicht hätten wir die Anschaffung auch einfach verschoben, mindestens bis wir eine größere Wohnung hatten. Oder wir hätten uns für eine kleinere und robustere Art entschieden. Vielleicht hätten wir unsere Begeisterung für diese tollen Tiere auch nur ausgelebt, indem wir im Tierheim oder einer Auffangstation ehrenamtlich mitgearbeitet hätten. Es gibt Alternativen dazu, sich gleich selbst Papageien anzuschaffen.

Fazit und mein Rat – Papageien anschaffen: Ja oder Nein?

Wer heute vor dieser Frage steht, dem kann ich Folgendes raten:

  • Informieren, informieren, informieren – möglichst auch bei anderen Haltern vor Ort.
  • Die eigenen Erwartungen und Möglichkeiten ganz kritisch mit den Anforderungen der Papageienhaltung abgleichen – auch langfristig
  • Offen sein und in Alternativen denken

Zum Schluss nun noch der zweite Teil der Frage – Würde ich mir noch einmal Papageien anschaffen? Die Antwort ist definitiv nicht Nein, nie wieder! Im Moment können wir leider keine Papageien halten. Zwei Kinder, zwei Vollzeitjobs und ein paar halbentwickelte Ideen für die Zukunft lassen einfach keinen Platz für ein Hobby, das man nicht auch mal für eine Woche in die Ecke tun kann. Das möchten wir uns im Augenblick nicht zumuten und vor allem möchten wir diese Situation auch keinem Papageien zumuten.

Doch Kinder werden größer und Lebensumstände ändern sich. Ich hoffe sehr, dass irgendwann einmal wieder gefiederte Bewohner bei uns einziehen können.

2 Kommentare

  1. Hallo
    Wieso hast du keine Vögel mehr wie ist es geendet?

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